"Ich fühle mich schlecht"

Nächste Folge am 01.12.2019

um 20:10 Uhr

FAQ Essstörung

"Ich fühle mich schlecht"

von Sabine, unsere Expertin am 23.05.2017


Es gibt Dinge, die wir auf den ersten Blick nicht sofort verstehen. Was zu einer Essstörung führt, ist ein Beispiel dafür. KUMMERKASTEN-Expertin Sabine hat eine Art Leitfaden für dich heruntergeschrieben.

Was sind Essstörungen? nach oben

Wenn wir Hunger haben, dann essen wir und wenn wir satt sind, dann hören wir auf zu essen. Soweit so einfach und normal, könnte man meinen. Für Menschen, die an einer Essstörung leiden, ist das Ganze jedoch gar nicht mehr so einfach und klar. Sie essen wenig oder manchmal nichts, obwohl sie Hunger haben. Oder sie essen sehr viel und immer weiter, obwohl der Magen längst voll und sie mehr als satt sind. Manchmal versuchen sie, die Fressattacken wieder ungeschehen zu machen, zum Beispiel durch Erbrechen oder sehr viel Sport. Eine Essstörung ist eine psychische, also seelisch bedingte Verhaltensstörung.

Wann ist man magersüchtig? nach oben

Es gibt Menschen, die sind von Natur aus schlank. Das ist kein Grund zur Sorge, solange man ausreichend und regelmäßig isst, sich wohlfühlt und der Arzt sagt, dass man gesund ist. Manche sind dünn, weil sie viel Sport machen? Gegen Bewegung und sich Auspowern ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch wenn man seinen Körper durch viel Sport fordert, braucht er auch ausreichend Nahrung. Wenig essen und viel Trainieren geht gar nicht und ungesund. Es ist gerade alles total stressig und durch die ganze Hektik hat man gar keinen Appetit mehr. Manchmal gibt es solche Phasen, in denen wir weniger essen. Wichtig ist, dass sie wieder vorbeigehen, wir für Ruhe und Entspannung sorgen und der Appetit zurückkommt.

Es ist so, dass niemand von heute auf morgen magersüchtig wird. Das ist eine Entwicklung und es gibt Warnsignale. Ich zähle mal einige auf:

  • Man denkt sehr oft über sein Aussehen und seine Figur nach und würde gerne weniger wiegen.
  • Die Freundinnen finden, man sieht top aus. Selbst fühlt man sich jedoch dick und hässlich.
  • Man vergleicht sich ständig mit superschlanken Modells, Schauspielerinnen und anderen, die dünner sind als man selbst.
  • Man hat schon mehrmals Diäten ausprobiert.
  • Manchmal isst man nur einen Apfel, hat danach auch keinen Hunger mehr oder übergeht das Hungergefühl.

Menschen, die an einer Magersucht leiden, sind nach einer gewissen Zeit sehr dünn und haben ihr Untergewicht durch den Verzicht auf Nahrung selbst herbeigeführt. Ihre Gedanken drehen sich irgendwann fast ausschließlich um die Themen Essen, Gewicht und Figur. Obwohl sie sehr dünn sind und viel zu wenig wiegen, nehmen sie sich selbst als dick wahr. Ihre Sucht besteht in dem großen Wunsch, dünn zu sein. Ob jemand tatsächlich magersüchtig ist oder nicht, können jedoch nur Ärzte und Therapeuten sicher feststellen, die sich mit Essstörungen auskennen.

Welche Ursachen und Gründe gibt es für Essstörungen? nach oben

Warum ein Mensch eine Essstörung entwickelt und zum Beispiel in eine Magersucht hineinrutscht, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Was für den einen zutrifft, muss für einen anderen nicht gelten. Und meistens gibt es auch nicht einen einzigen Grund, sondern eine Mischung aus mehreren.

Niemand von uns ist frei von dem, was um uns drum herum passiert. Wir werden von dem beeinflusst, was wir in den Medien, in Zeitschriften, im Fernsehen, in den sozialen Netzwerken sehen. Das Schönheitsideal unserer Gesellschaft orientiert sich an Modelmaßen und viele Models sind leider ungesund dünn.

Weitere Auslöser nach oben

Es ist nicht so, dass jeder, der eine Diät macht, dadurch automatisch eine Essstörung entwickelt. Doch jeder, der an Magersucht oder Bulimie erkrankt, hat Erfahrungen mit Diäten gemacht.

Familiäre Faktoren können eine Rolle spielen, so zum Beispiel eine Überbehütung und zu große Kontrolle durch die Eltern, das Vermeiden von Konflikten oder fehlende Zuwendung und Anerkennung durch die Eltern.

Sehr traumatische Erlebnisse wie zum Beispiel sexueller Missbrauch können zum Entstehen einer Essstörung beitragen.

Oft hadern Betroffene auch sehr mit ihrem Selbstwert. Sie haben einen hohen Leistungsanspruch an sich selbst. Sie gehören nicht selten zu den Besten, verlangen viel von sich selbst und sind sehr ehrgeizig. Doch niemand genügt ihren Ansprüchen, - sie selbst auch nicht.

Die Kontrolle über den Körper, das Hungergefühl und das Gewicht geben einem das Gefühl, eigenständig und unabhängig zu sein und alles im Griff zu haben. Man ist überzeugt, dass alle Probleme gelöst sind, wenn der Körper endlich dünn ist. Und dabei werden die Probleme durch die Krankheit nur noch größer und de facto gerät alles außer Kontrolle.

Was kann man tun? Wo gibt es Hilfe? nach oben

Essstörungen sind sehr ernst zu nehmende Krankheiten, die auch tödlich enden können. Manchmal entwickeln Betroffene auch Depressionen oder denken über Selbsttötung nach. Daher ist es sozusagen überlebenswichtig, nicht allein damit zu bleiben und sich Hilfe zu holen.

Für Betroffene nach oben

  • Der erste Schritt ist: Sich selbst einzugestehen, dass man krank ist und Hilfe braucht.
  • Unterstützungsangebote von lieben Menschen wie Freunde, Eltern, andere Verwandte annehmen.
  • Ohne professionelle Hilfe geht es nicht: Es gibt Beratungsstellen und Ärzte, die sich mit Essstörungen auskennen und sagen können, welche nächsten medizinischen und therapeutischen Schritte sinnvoll sind.
  • Wieder lernen, auf eigene Bedürfnisse zu achten und darauf Rücksicht zu nehmen.
  • Das Leben ist nicht nur schwer und anstrengend, es hält für jeden auch schöne Momente bereit. Herausfinden, was einem Mut und Hoffnung macht und dafür Platz in seinem Leben machen.

Für Freundinnen und Freunde, die helfen möchten: nach oben

  • Offen und ehrlich sein und der Freundin oder dem Freund sagen, welche Veränderung man wahrgenommen hat und dass man sich Sorgen macht.
  • Es kann sein, dass Betroffene mit Angst oder Unmut reagieren. Wichtig ist, nicht auf dem Thema Essen und Gewicht zu beharren und sie nicht zu zwingen, etwas zu essen.
  • Mut machen, sich Hilfe zu holen und geduldig sein: Erste Schritte und erst recht Heilung brauchen Zeit.
  • Sagen, dass man sie/ihn gern hat und für sie/ihn da ist, wenn sie/er jemanden zum Reden braucht.
  • Nicht allein bleiben mit der Sorge um die Freundin oder den Freund und mit einem Erwachsenen reden, dem man vertraut.

Sabine, unsere Expertin Sabine hat eine Schwäche für Katzen. Sie lebt in der Hauptstadt und kennt sich außerdem mit Farben aus. Zahlen und Vokale sind für sie farbig. Kein Mist! Wenn DU allerdings rot siehst: Sabine fragen! Sie kann dir helfen.