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FÜR ERWACHSENE

Die Kunst zu streiten

Nächste Ausstrahlung am 04.03.2018

um 20:00 Uhr

Richtig zoffen

Die Kunst zu streiten

am 08.02.2018


Als kleine Kinder lernen wir zu sprechen. Wir formulieren schwierige Worte mit Grimassen und scheitern an der Aussprache von Regisseur oder Authentizität. Wenn wir älter werden, in die Pubertät kommen und zu jungen Erwachsenen heranwachsen, müssen wir etwas anderes lernen: das Zuhören. Und das ausgerechnet jetzt, in der Pubertät, wo sich so schnell so vieles verändert.

Eben noch bist du cool mit deinen Eltern, jetzt nerven sie nur noch. Du könntest dich nur noch mit ihnen fetzen, alles kommt irgendwie falsch an und wird missverstanden. Woran das liegt? Dein Körper verändert sich, und du mit ihm. Fliegende Fetzen vorprogrammiert. Streiten kommt in jeder Familie, zwischen Freunden oder Geschwistern vor. Und so nervig es auch ist, streiten hat auch positive Effekte:

  • du lernst nachzugeben, wenn du im Unrecht bist,
  • oder du lernst, deine Interessen durchzusetzen,
  • du lernst, Kompromisse einzugehen,
  • du lernst, dich einem Problem überhaupt zu stellen,
  • und du lernst, nach einem Streit verzeihen zu können.

Oft sind es Missverständnisse. Schlecht formulierte Wünsche zum Beispiel können schnell als Vorwurf aufgegriffen werden. Klassisches Beispiel: Du-Botschaften. Da bekommst du sofort das Gefühl, der Depp der Nation zu sein. "Du bist immer du spät, Du willst immer nur deinen Kopf durchsetzen, Du bestimmst immer alles"... Kennste?
Eine Möglichkeit, sein Problem zu formulieren, ohne gleich mit dem Finger zu drohen, sind ICH-Botschaften. Sie helfen dir zu zeigen, wie du dich fühlst und wie es dir dabei geht: "Ich muss immer auf dich warten – das ärgert mich und gibt mir das Gefühl, dass ich für dich nicht wichtig bin." Hier schlägst du gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn:

  1. Die Anklage ist weg, die den anderen in die Defensive treibt.
  2. Du gibst deinem Gegenüber die Chance, dich zu verstehen.

Vier Blickwinkel

Es gibt einen sehr klugen Mann, der heißt Friedemann Schulz von Thun. Er ist Psychologe und Kommunikationswissenschaftler. Das bedeutet, er untersucht, wie Menschen reden und sich austauschen, welche Rolle die Körpersprache spielt und wodurch sich Missverständnisse einschleichen.

Schulz von Thun hat ein Modell entwickelt, in dem er meint, dass der Sender mit vier Mündern spricht und der Empfänger mit vier Ohren hört. Wir haben das für dich mal eingefärbt. Jede Farbe gehört zu einer Botschaft und entspricht je einem der vier Münder beziehungsweise Ohren.

Lass es uns an einem Beispiel durchspielen. Es gibt den Sender (Clarissa) und den Empfänger (David) einer Nachricht. Schulz von Thun geht davon aus, dass diese Nachricht vier Botschaften gleichzeitig enthält. Soweit, so einfach. Das Modell geht nun auch noch davon aus, dass es vier Wege gibt, wie der Empfänger, also David, diese Botschaft versteht. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Sender auch wollte, dass alle diese vier Botschaften so bei David ankommen.

Stell dir vor, die Botschaft wäre: David, der KUMMERKASTEN-Talk beginnt in zwei Minuten. Diese Nachricht zerlegen wir jetzt Schritt für Schritt.

Der Sachinhalt (worüber wird informiert? Was ist der Inhalt?)

  • Es geht um die reinen Informationen, Fakten und Daten.
  • Was bedeutet das für David? Er muss entscheiden, ob diese Information richtig oder falsch ist.


Der Appell (was soll die Nachricht bewirken?)

  • Die Nachricht dient dazu, David zu veranlassen, etwas Bestimmtes zu tun, zu lassen, zu denken oder zu fühlen.
  • Auf der Appellebene können sowohl Wünsche, Ratschläge oder auch Anweisungen gegeben werden.
  • Was bedeutet das für David? Er sollte bereit sein, in zwei Minuten den Talk zu moderieren.


Beziehungshinweis (Was halten Sender und David voneinander, wie stehen sie zueinander?)

  • Je nachdem, wie David den Satz gesagt bekommt, wird zum Ausdruck gebracht, was der Sender von ihm hält.
  • Entsprechend fühlt sich der andere entweder akzeptiert und geschätzt oder aber bevormundet und nicht ernst genommen.
  • Was bedeutet das für David? Je nachdem, ob er den Sender mag oder nicht, wird er die Botschaft als lieben oder als stressigen Hinweis auffassen.


Selbstkundgabe (was der Sender von sich offenbart)

  • In jeder Nachricht gibt der Sender etwas von sich preis. Ist er genervt? Wie ist seine Körperhaltung, sein Gesichtsausdruck? Wie wird das Gesprochene betont?
  • Was bedeutet das für David? Wenn der Sender also zu ihm sagt, dass es in zwei Minuten losgeht, schwingt vielleicht auch mit: Hey, beeil dich und werde fertig.

Was bedeutet das für dich?

Es gibt nichts Fehlerhafteres, als die menschliche Kommunikation, finden wir. Deswegen ist es normal, dass aneinander vorbei geredet wird, man sich missversteht oder es auch mal so richtig scheppert. Denn es nicht immer leicht, genau das zu sagen, was man auch wirklich meint. Deswegen denk doch ab und zu mal an das Modell von Schulz von Thun und überlege, warum deine Mutter dir etwas sagt, wie sie es sagt. Oder ob dein bester Kumpel dir nicht einen Bären aufbindet, wenn er mit hängendem Kopf meint, ihm ginge es gut. In diesem Sinne - man lernt nie aus. :)

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Ich hör dich nicht?!!

Stell dir vor, deine Telefonlverbindung schmiert ab oder du telefonierst und ein Bus rauscht an dir vorbei. Ständiges Nachfragen oder abgehakte Wortfetzen machen die Kommunikation nicht leichter.

Störungsmeldung

Sender | Rechte: KiKA

Kommunikationsstörungen beim Sender

Mir geht's gut *schnief*

Schwierig ist, wenn der Sender Nachrichten aussendet, bei denen die Signale nicht zueinander passen. Stell dir vor, jemand würde dir weinend sagen, alles sei in Ordnung, aber man möchte allein sein. Was machst du?

Empfänger | Rechte: KiKA

Kommunikationsstörungen beim Empfänger

Nerv halt nicht!

Wie "hört" Clarissa die Nachricht? Welche ihrer vier Ohren sind überhaupt aktiv? Ist sie kritikfähig? Oder hatte sie einen schlechten Tag und ist eh genervt? Vielleicht kann sie den Sender auch gar nicht ausstehen?