„Originalfilmstoffe haben es an der Kinokasse schwer“

Der besondere Kinderfilm

„Originalfilmstoffe haben es an der Kinokasse schwer“

Stefan Pfäffle im Interview

Die Initiative "Der besondere Kinderfilm" fördert Kinderfilme, welche nicht auf bekannten Marken oder literarischen Vorlagen beruhen - Filme, die an der Lebenswelt der Kinder ansetzen. Seit 2012 werden ausgewählte Treatments von Autoren- und Produzententeams vom ersten Drehbuch über die Weiterentwicklung bis hin zur Produktion des Films begleitet. Stefan Pfäffle, sitzt als Vertreter des Kinderkanals von ARD und ZDF in der Jury der Initiative.

Der besondere Kinderfilm ist ...

Stefan Pfäffle: ...ein qualitativ hochwertiger, gerne auch thematisch anspruchsvoller, aber am Ende hoffnungsfroh stimmender Film, der auf einem Originaldrehbuch basiert. Und natürlich ist er unterhaltend!

Wie nehmen Sie die Kinderfilmlandschaft in Deutschland wahr?

Stefan Pfäffle: Es gibt aus Deutschland ein breites Spektrum an hochwertig produzierten Kinderfilmen, die ihren Weg in die Kinos machen und auch kommerziell erfolgreich sind - sowohl im Animations- als auch im Real-Spielfilmbereich.

Aber die meisten dieser Filme beruhen auf erfolgreichen Marken oder Buchvorlagen und sind als Thema so schon von vornherein einem breiten Publikum bekannt. Beispiele sind etwa „Die Konferenz der Tiere“, „Ritter Rost“ oder „Hexe Lilli“ im Animations- oder Hybridbereich, „Hanni und Nanni“, „Bibi und Tina“ oder „Burg Schreckenstein“ im Realfilmbereich. Hin und wieder schafft es auch ein Film in die vorderen Ränge, der auf einem Originaldrehbuch basiert. Dann ist aber wenigstens das Thema universell bekannt.

All diese Filme konkurrieren auf dem deutschen Kinomarkt mit international erfolgreichen Kinderfilmen von den großen Majors wie Disney, Pixar oder Dreamworks, die ohnehin fast allesamt ihr Publikum finden. Deutsche Originalfilmstoffe hingegen haben es bei dieser marktbeherrschenden Konkurrenz an der Kinokasse schwer und führen seit Jahren ein Schattendasein. Hier setzte die Initiative „Der besondere Kinderfilm“ an.

Was verbirgt sich hinter dem Wort „besonders“?

Stefan Pfäffle: „Besonders“ bedeutet Verschiedenes. Natürlich ist damit die Qualität der Filme gemeint, aber auch der Umstand angesprochen, dass originäre Stoffe besonders interessante und besonders lebensnahe Filme werden können, Filme, die nah an der Wirklichkeit deutscher Kinder sind.
Dabei wollen sich die mit diesem Label ausgestatteten Filme bzw. die Initiative keinesfalls mit diesem Attribut über alle anderen Kinderfilme stellen und etwa zum Ausdruck bringen, alleine die aus der Initiative kommenden Filme seien besonders. Wir sind uns sicher, dass Kinder beides sehen wollen: den neuesten Blockbuster genauso wie den aus der Initiative stammenden Film, der eben mehr auf die Reflexion der Lebenswelt seiner Zuschauer setzt.

Warum engagiert sich KiKA für den besonderen Kinderfilm?

Stefan Pfäffle: KiKA ist seit vielen Jahren der beliebteste Fernsehsender für Kinder in Deutschland und im deutsprachigen Europa. Nicht zuletzt, weil bei KiKA pro Woche auch drei Spielfilme gesendet wurden, darunter sogar jede Woche ein Märchenspielfilm. Der Erfolg der bislang realisierten Projekte "Winnetous Sohn", „Ente gut! – Mädchen allein zu Haus“ und „Auf Augenhöhe“ sowie die öffentliche Aufmerksamkeit für die Initiative bestärken KiKA in der Haltung, der Initiative auch weiterhin die Stange zu halten.

Was war Ihr liebster Kinderfilm in der Kindheit?

Stefan Pfäffle: Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber meine heimische Fernsehsozialisation begann eigentlich erst mit der Olympiade 1972, denn das war der Zeitpunkt, zu dem sich meine Eltern den ersten Fernsehapparat gekauft haben. Davor konnte ich nur während der wöchentlichen Besuche bei den Großeltern gucken. Dort schaute ich in erster Linie die Sportschau, weil die der Opa sehen wollte, aber auch Serien wie „Daktari“, „Bonanza“, „Rauchende Colts“ oder „Tarzan“ (mit Ron Ely in der Hauptrolle). Kino spielte in meiner Kindheit so gut wie gar keine Rolle.

Stefan Pfäffle | Rechte: MDR/Axel Berger

Stefan Pfäffle

Stefan Pfäffle arbeitet seit 2003 beim Kinderkanal von ARD und ZDF in der Redaktion Fiktion und Programmaquisition. Seit 2008 in der Funktion als stellvertretender Redaktionsleiter. Bei der Inititative "Der besondere Kinderfilm" ist er seit Anfang an eingebunden. Stefan Pfäffle sitzt als KiKA-Vertreter in der Jury, welche aus den eingereichten Treatments diejenigen auswählt, die eine Drehbuchförderung erhalten.

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Die Initiative

Stefan Pfäffle: "Um den originären Kinderfilm in Deutschland weiter zu stärken, gründete die Intendantin des MDR, Frau Prof. Karola Wille, gemeinsam mit KiKA die Initiative „Der besondere Kinderfilm“. Es gelang ihr, 24 Mitglieder aus öffentlich-rechtlichen Sendern, die Förderung des Bundes und einiger Länder, die Filmwirtschaft sowie die Politik in der Initiative zu vereinen.“