Aus alt wird neu - Warum?

Animationsserien bei KiKA

Aus alt wird neu - Warum?

Sebastian Debertin (KiKA) im Interview

Mit "Blinky Bill" läuft ab 1. Januar 2018 die Neuauflage eines Zeichentrickklassikers bei KiKA. In 52 neuen Folgen der beliebten Animationsserie vertritt der junge Koala seinen Vater als "Hüter von Greenville". Er kämpft mit seinen Freunden gegen den Bürgermeister Cranklepot und setzt sich für die Rechte von Schwächeren ein.

Von "Biene Maja" bis "Zoés Zauberschrank": Animationsserien sind bei KiKA sehr beliebt. Sebastian Debertin wählt als Leiter der Redaktion "Fiktion" Animationsserien, Filme und Zeichentrickklassiker für KiKA aus. Im Interview schildert er, welche Kriterien Animationsprogramme ausmachen und welche Gründe für eine Neuauflage von bekannten Zeichentrickserien sprechen.

Was gibt es für Animationsangebote bei KiKA?

Sebastian Debertin: "Biene Maja", "Blinky Bill", "Franklin und Freunde", "Feuerwehrmann Sam", "Garfield", "Der Kater mit Hut", "Insectibles", "Mia and me", "Peter Pan", "Robin Hood", "Super Wings", "Wickie und die starken Männer", "Weisst Du eigentlich, wie lieb ich Dich hab?", "Yakari", "Zoés Zauberschrank" und viele, viele andere! Wir bieten alles, was Kindern Spaß macht und daher natürlich auch Animationsprogramm, das laut Umfragen stets von Kindern als das beliebteste Programmangebot benannt wird. Im KiKA finden sich Animationsserien und -spielfilme in höchster Qualität, aus Deutschland und aller Welt.

Wo spüren Sie die neuesten Animationstrends auf?

Sebastian Debertin: Auf den wichtigsten Fernsehprogramm-Messen und Animationsmärkten, wie der MIPTV, der MipJunior und dem Kidscreen Summit. Dort suchen wir nach neuen Trends, konkreten Projekten und Programmangeboten. Dazu kommen noch einige wichtige, auf Animation spezialisierte Märkte und Events, wie das Cartoon Movie, das Cartoon Forum und zum Beispiel der jährliche Animation Production Day, der eng mit dem Trickfilmfestival Stuttgart verbunden ist. Als Resultat dieser Bemühungen erhalten wir pro Jahr zwischen 600 und 1.200 Projekt- und Programmvorschläge aus dem In- und Ausland, von denen etwas mehr als 70 Prozent Animationsprojekte und -programme sind. Alle Projekt- und Programmvorschläge werden dann von uns sorgfältig evaluiert und auf eine Umsetzung und Einsatzmöglichkeit im KiKA geprüft.

Worauf wird geachtet bei der Auswahl von Animationsserien?

Sebastian Debertin: Alle Programme, die wir unseren Zuschauern anbieten, müssen passgenau die jeweils intendierte Zielgruppe, also Kleinkinder und Vorschüler (drei bis fünf Jahre), die Vier-bis Siebenjährigen Mädchen und Jungen, die Grundschüler im Alter von sechs bis neun Jahren sowie die älteren Kinder (zehn bis 13 Jahre) ansprechen und jeweils deren unterschiedlichen Lebenswelten, Themen und Bedürfnissen entsprechen. Das Genre Animation ermöglicht es uns, besonders fantasievolle und zum Beispiel auch spannende Erzählungen, die mit einer Realserie oder einem Realspielfilm nicht oder nur sehr aufwendig und teuer zu realisieren wären, umzusetzen. Eine wichtige Prämisse gerade bei Animationen für mittlere und ältere Kinder: Gewaltverherrlichung und Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung findet in Animationsserien bei KiKA nicht statt. Animation soll vor allem Spaß machen und wenn dieses Ziel erreicht wird, transportiert ein gutes Animationsprogramm über gut animierte Geschichten Eindrücke und Einblicke in die Welt. Es vermittelt Wissen und ganz nebenbei doch durchaus zielgerichtet wichtige soziale Werte und bietet so Orientierung im Leben. Kurz: Gutes, qualitativ hochwertiges Animationsprogramm begleitet die Kinder mit Spaß auf ihrem Weg ins Leben.

Müssen Zeichentrickklassiker neu aufgelegt werden?

Sebastian Debertin: Nein, nicht per se. Aber zum einen hat sich insbesondere die Art, mittels einer Animation zu erzählen, in den letzten 20 Jahren stark verändert. Zum anderen sind die Möglichkeiten und Techniken, Animationsprogramme herzustellen, quantitativ und vor allem qualitativ stark erweitert worden. Viel wichtiger scheint mir aber, dass Animationsserien und Animationsspielfilme aus den siebziger, achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, aber auch manche aus den Jahren 2000 bis 2005 zum Beispiel Rollen- und Geschlechterbilder zeigen, die wir heutzutage nicht mehr vermitteln wollen und können, da die Gesellschaft, in der wir alle leben, sich nun einmal verändert hat. Dies ist sicher der wichtigste Grund, warum manche Animationsprogramme neu aufgelegt werden.

Was macht ein gutes Animationsprogramm in Ihren Augen aus?

Sebastian Debertin: Neben den schon erwähnten Elementen sollte ein gutes Animationsprogramm bei aller Fantasie auch besonders glaubhaft sein. Glaubhafte und nachvollziehbare Charaktere zu schaffen, die so ausgestaltet sind, dass Kinder sich mit ihnen identifizieren können und mögen, ist von entscheidender Bedeutung für jedes fiktionale Programm. Und für Animationsprogramme gilt das besonders.

Was war der erste Animationsfilm, an den Sie sich nachhaltig erinnern können?

Sebastian Debertin: Paulchen Panther war der Held meiner Kindheit! So schlau, lustig und cool wollte ich als Kind auch gern sein. Aber ich hatte zugegebenermaßen auch eine ganz schöne Menge an Animationsfiguren, deren – heute würde man sagen – treuer „Follower“ ich damals war. Von Speedracer, Sylvester und Tweetie, Schweinchen Dick und dem Roadrunner bis zu Heidi. In die Heidi war ich, glaube ich, auch ein ganz klein bisschen verliebt. Daher habe ich auch sonntags für Heidi – sehr zum Missfallen meiner Eltern – gern mal den Familienspaziergang sausen lassen!

Sebastian Debertin | Rechte: KiKA/Carlo Bansini

Sebastian Debertin

Sebastian Debertin leitet die Redaktion "Fiktion" des Kinderkanals von ARD und ZDF. Er ist verantwortlicher Redakteur für die Animationsserie "Die unglaublichen Abenteuer von Blinky Bill".

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