Hohe Zufriedenheit an deutschen Schulen

Themenschwerpunkt "Schule leben!"

Hohe Zufriedenheit an deutschen Schulen

KiKA hat Erst- bis Sechstklässer*innen zu ihren Erfahrungen in der Schule befragt. Ziel der repräsentativen Befragung war es, die Sicht der Kinder auf ihre Lebenswelt Schule in die Arbeit an den Formaten zum Themenschwerpunkt einfließen zu lassen. Wir möchten Ihnen die zentralen Ergebnisse der "Exklusiv-Befragung zum KiKA-Themenschwerpunkt 2019 "Respekt für meine Rechte! Schule leben!" an dieser Stelle vorstellen.

Worum geht es in der Befragung? nach oben

Im Mittelpunkt der Befragung stehen folgende Themen:

  • Zufriedenheit in/mit der Schule, mit Lehrern sowie dem Nachmittagsangebot,
  • private und schulische Mediennutzung,
  • Ausstattung der Schulen,
  • Wunsch nach Mitbestimmung
  • sowie der von den Kindern gewünschte Unterrichtsbeginn.

Erst- bis Sechstklässler*innen gehen gerne zur Schule nach oben

Entgegen der oftmals pessimistischen Bestandsaufnahmen der aktuellen Lage an deutschen Schulen zeichnen die befragten Kinder, trotz zahlreicher Herausforderungen, ein durchaus positives Bild ihrer Schulwirklichkeit. 80 Prozent der Erst- bis Sechstklässler*innen gehen "sehr gerne" oder "gerne" zur Schule. Mädchen und Kinder aus Elternhäusern mit Gymnasialabschluss sind etwas zufriedener als Jungen und Kinder aus Familien, deren Eltern die Real- oder Hauptschule abgeschlossen haben. Mit steigender Klassenstufe sinken die Zustimmungswerte der Schüler von rund 90 Prozent in der ersten und zweiten Klasse auf durchschnittlich 73 Prozent in der fünften und sechsten Klasse.

Im direkten Ost-West-Vergleich gibt es keine nennenswerten Unterschiede. Befragte mit und ohne Migrationshintergrund gehen gleich gern zur Schule. Nur 5 Prozent der Befragten gehen "nicht gern" oder "überhaupt nicht gern" zur Schule. Spitzenreiter in Sachen Schulzufriedenheit sind Bremen, Thüringen und das Saarland.

Schule als Ort der Begegnung mit Freunden, Klassenkameraden und Lehrern nach oben

Etwa 60 Prozent der Befragten Erst- bis Sechstklässler*innen freuen sich, wenn sie an ihre Schule denken, vor allem auf Schulkamerad*innen, Freund*innen oder ihre Lehrkräfte. Die Schule wird, gestützt abgefragt, von 93 Prozent der Befragten als ein "Ort wo man Freunde findet/gefunden hat" beschrieben. 88 Prozent fühlen sich mit den Schülern aus der eigenen Klasse "sehr" oder "eher wohl". Auch mit den Lehrern sind 83 Prozent der Befragten Erst -bis Sechstklässler "zufrieden" oder sogar "sehr zufrieden".

Ich kann mit all meinen Freunden jeden Tag Neues lernen und in den Pausen mit ihnen spielen.

Junge, 8 Jahre

Schule als Ort der vielfältigen Angebote nach oben

Etwa 90 Prozent der Befragten stehen neben dem Schulunterricht zusätzliche Angebote zur Verfügung. Die Erst- bis Sechstkläsler*innen nutzen am liebsten und besonders intensiv Sportangebote, wie Ballsportarten und Turnen. Es folgen Angebote mit Pflanzen oder Tieren (24 Prozent), handwerklich-kreative (23 Prozent) oder musische Angebote (17 Prozent).

Bei der Nutzung von Nachmittagsveranstaltungen zeigen sich auch Geschlechterunterschiede. Jungen belegen deutlich häufiger "etwas mit Sport“ und "etwas mit Computern/Medien", während Mädchen stärker musische (Chor) oder tänzerische Angebote wahrnehmen sowie Theater spielen, sprachliche Angebote nutzen und gerne Kochen und Backen. Von Mädchen und Jungen gleichermaßen stark genutzt werden Angebote im Bereich "Basteln/Werken/Gestalten".

Herausforderungen an deutschen Schulen nach oben

Neben den sehr hohen Zustimmungswerten der Sechs bis 13-Jährigen zum Schulbesuch und der allgemein positiven Wahrnehmung der Lebenswelt Schule fühlt sich annähernd jedes siebte Kind im Alter zwischen neun und 14 Jahren in der Schule regelmäßig von den Leistungserwartungen seiner Lehrkräfte überfordert. Zu diesem Ergebnis kommt das LBS Kinderbarometer 2018*. Demnach fürchtet sich jedes fünfte Kind regelmäßig vor Klassenarbeiten – Mädchen noch deutlich häufiger als Jungen. Weiterhin belasten soziale Ausgrenzung bzw. die Erfahrung von Mobbing jedes fünfte Kind dieser Altersgruppe (vgl. LBS-Kinderbarometer Deutschland 2018*).

Die World Vision-Kinderstudie 2018** attestiert außerdem, einen starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft eines Kindes und dessen Bildungschancen. Kinder aus der oberen Mittelschicht und Oberschicht (13 Prozent und 24 Prozent) besuchen deutlich häufiger ein Gymnasium als Kinder aus der unteren bzw. Mittelschicht (2 Prozent und 5 Prozent).

Fragt man Lehrer wie sie die Situation an der Schule wahrnehmen, so nennen diese in der Umfrage der Robert-Bosch-Stiftung (02/2019) *** folgende aktuellen Herausforderungen:

  • Lehrermangel (30 Prozent),
  • Inklusion (22 Prozent),
  • Umgang mit den Eltern (21 Prozent),
  • Verwaltung, Bürokratie (19 Prozent),
  • Integration (16 Prozent) sowie
  • Arbeitsbelastung bzw. Zeitmangel (14 Prozent) und die
  • Digitalisierung (13 Prozent).

54 Prozent der befragten Lehrer weisen außerdem darauf hin, dass es Probleme mit Quereinsteigern in den Lehrerberuf im Schulalltag geben würde.

Das Angebot wurde mit freundlicher Unterstützung des MDRdata-Teams realisiert. Im nächsten Artikel zu den Ergebnissen der von KiKA beuftragten Befragung wird es um die Themen "Digitale Ausstattung von Schulen und Mediennutzung" gehen. Der nächste Artikel erscheint am 13. September 2019.

Infos und Hintergründe: Weitere Studien

Die seit 2009 jährlich erscheinende repräsentative Studie der Landesbausparkassen (LBS) befasst sich mit den Meinungen und dem Wohlbefinden von Kindern in Deutschland. Im Kern geht es um die Themen: Familie, Schule, Wohnumfeld, Tagesgeschehen und Politik. Interviewt wurden Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren.

Auftraggeber der Studie ist das "World Vision Institut für Forschung und Entwicklung". In der vierten World Vision-Studie wurden Kinder von sechs bis elf Jahren befragt. Schwerpunkte der 2018er-Studie sind die Themen Familie, Schule, Flucht, Armut, Freundschaft und Mitbestimmung.

Mitte November bis Mitte Dezember 2018 wurden 1001 Lehrer *innen befragt. Darin ging es u. a. um die größten Herausforderungen an Schule, Quereinsteiger im Lehrerberuf sowie um die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien.

KiKA-Programmgeschäftsführerin Astrid Plenk vor dem Funkhaus in Erfurt | Rechte: Carlo Bansini

KiKA-Programmgeschäftsführerin

Dr. Astrid Plenk

"Die Woche über ist Schule für viele Kinder der Lebensmittelpunkt. Beim KiKA-Themenschwerpunkt 2019 nehmen wir ihr Schulleben ganz genau unter die Lupe und lassen insbesondere die Kinder selbst zu Wort kommen. Wie zufrieden sind sie mit ihrer Schule? Welche Herausforderungen sind zu meistern? Dazu werden wir in einer exklusiven, repräsentativen Studie die Meinung der Kinder einholen und daraus Programminhalte ableiten, die unserem Publikum eine Stimme und ein Recht auf Gehör geben.“

KiKA Exklusiv-Befragung

Wer wurde befragt?

373 geschulte Interviewer befragten 1.296 Erst- bis Sechstklässler in ganz Deutschland. Die Befragung von Schülern im Alter von sechs bis 13 Jahren fand im Zeitraum vom 21. Februar bis zum 29. März 2019 statt und wurde durch das Marktforschungsinstitut "iconkids&youth" im Auftrag von KiKA durchgeführt. Die ermittelten Ergebnisse sind repräsentativ für Erst- bis Sechstklässler in Deutschland.