Wie digital sind unsere Schulen?

Themenschwerpunkt "Schule leben!"

Wie digital sind unsere Schulen?

Im Alltag von vielen Kindern und vor allem Jugendlichen sind digitale Medien angekommen. Haben Smartphones, Tablets und Computer mittlerweile auch Einzug in die Klassenräume gehalten? KiKA hat in einer repräsentativen Befragung Erst- bis Sechstklässler*innen aus ganz Deutschland zu ihren Erfahrungen befragt.

Nutzung des Internets für schulische Zwecke nach oben

Etwa 15 Prozent der Kinder in der ersten und zweiten Klasse geben an, das Internet für schulische Zwecke innerhalb der Schule zu nutzen. Bei den Fünft- und Sechstklässler*innen sind es schon 71 Prozent, die das Internet innerhalb der Schule für diesen Zweck verwenden. Zuhause nutzen sogar etwa 87 Prozent der Kinder aus dieser Altersstufe das Internet für schulische Zwecke.

Einsatz von Laptops, Computern und Mobiltelefonen nach oben

56 Prozent der Erst- bis Sechstklässer*innen geben an, einen Computer oder Laptop im Unterricht mindestens "manchmal" oder "oft" zu nutzen. Es zeigt sich ein großer Unterschied in der Nutzung nach Klassenstufen: Während in den ersten beiden Klassen nur 27 Prozent mindestens "manchmal" einen Laptop oder Computer im Unterricht nutzen, sind es bei den Schüler*innen der fünften und sechsten Klasse bereits über 90 Prozent. Weiterhin fällt die Nutzung eines Computers- oder Laptops in Grundschulen gegenüber allen anderen Schulformen deutlich geringer aus.

An über zwei Drittel der Schulen herrscht nach Aussage der Erst- bis Sechstklässler ein Handyverbot. Etwa ein Drittel der Befragten darf das Telefon im Unterricht nutzen.

Bemerkenswert ist eine gewisse Unentschlossenheit der Schüler*innen, was den Einsatz des Telefons im Unterricht betrifft: Selbst vor die Wahl gestellt, Mobiltelefone im Unterricht einsetzen zu können oder nicht, entscheidet sich etwa die Hälfte der Befragten für den Einsatz des Handys im Unterricht. Die andere Hälfte spricht sich dagegen aus.

Suchmaschinen, Wikipedia und YouTube-Tutorials nach oben

80 Prozent der Schüler aus den fünften und sechsten Klassen nutzen Suchmaschinen, um zielgerichtet Inhalte für Hausaufgaben oder die Vorbereitung auf Tests oder Klassenarbeiten ausfindig zu machen.

Wikipedia steht bei der Informationsbeschaffung ebenfalls hoch in der Gunst der Befragten. Immerhin 74 Prozent der Sechs- bis Dreizehnjährigen recherchieren auf den Seiten der freien Online-Enzyklopädie. Etwa ein Fünftel der Schüler*innen nutzt für die Schule Tutorials oder Lernvideos auf YouTube. Das lässt sich auch mit der sehr hohen Akzeptanz des Portals bei Kindern und Jugendlichen erklären.

Technische Ausstattung der Schulen ausbaufähig nach oben

Nur eine von drei Schulen in Deutschland verfügt über einen Zugang zu "schnellem Internet", WLAN in Klassenräumen sowie über Klassensätze an Tablet-PCs und Smartphones. Je nach Schulform, gibt es große Unterschiede: Vergleichsweise gut sind Gymnasien ausgestattet, während Grundschulen eher schlecht ausgestattet sind.*****

Konkrete Herausforderungen in Bezug auf die technische Ausstattung schildern Lehrer wie folgt:

  • Probleme mit dem WLAN,
  • schlechte Ausstattung von Computerräumen,
  • veraltete, nicht funktionierende technische Geräte,
  • fehlender technischer Support,
  • ein Mangel an Expertise für digitale Medien an der Schule ****.

22 Prozent aller von KiKA befragten Kinder meinen, dass es "eher zu wenig Computer/Laptops für alle Schüler" gibt, während fast ein Drittel meint, es gäbe "ausreichend viele".

Alle Klassenzimmer müssen elektronische Tafeln haben, es müssen genügend Computer und Laptops zur Verfügung stehen, das ist nicht immer so.

Mädchen, 13 Jahre (Exklusiv-Befragung zum KiKA-Themenschwerpunkt 2019)

"Bring your own device"-Strategie nach oben

Vor allem Weiterführende Schulen begegnen der, zum Teil nicht ausreichenden technischen Ausstattung mit der Strategie "Bring Your Own Device". Das betrifft 18 Prozent der Schulen. Gymnasien nutzen diese Strategie häufiger als alle anderen Schulformen.**** Schüler*innen bringen dabei ihr eigenes Smartphone oder Tablet mit in den Unterricht, um es dort unter Anleitung der Lehrkraft zu nutzen.

Als Nachteile der Methode werden erhöhter Erklärungsbedarf aufgrund unterschiedlicher Betriebssysteme (63 Prozent) und ein Mobbing-Risiko aufgrund "uncooler" Modelle (50 Prozent) genannt*****.

Digitalpakt soll technische Ausstattung und Medienkompetenz verbessern nach oben

Der Digitalpakt von Bund und Ländern soll für die Verbesserung der digitalen Ausstattung der Schulen sowie die Qualifikation des Lehrpersonals in Bezug auf digitale Medien sorgen. Dafür sollen ab Mai 2019 fünf Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre bereitgestellt werden. Ziel ist es, die digitale Kompetenz der Schüler im kritischen, selbstbestimmten, verantwortungsvollen Umgang zu stärken.

Das Angebot wurde mit freundlicher Unterstützung des MDRdata-Teams realisiert. Im nächsten Artikel zu den Ergebnissen der von KiKA beuftragten Exklusiv-Befragung wird es um die Themen "Was sich Schüler*innen wünschen" gehen. Der nächste Artikel erscheint am 27. September 2019.

Infos und Hintergründe

Herausgegeben vom "Rat für Kulturelle Bildung". 818 deutschsprachige Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren wurden zur Nutzung kultureller Bildungsangebote befragt.

2018 wurden für die KIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest 1231 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren und deren Haupterzieher in ganz Deutschland zum Umgang mit Medien befragt.

Der "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann Stiftung erhebt den Stand des digitalisierten Lernens innerhalb der verschiedenen Bildungssektoren in Deutschland.

Im Auftrag der Robert Bosch Stiftung wurden 1001 Lehrer*innen an allgemeinbildenden Schulen befragt. Titel der Befragung: "Meinungen zu aktuellen Entwicklungen an Schulen in Deutschland. Ergebnisse einer Befragung von Lehrerinnen und Lehrern an allgemeinbildenden Schulen".

Es handelt sich um eine Forsa-Repräsentativbefragung für den "Verband Bildung und Erziehung e.V.". Es wurden 1232 Schulleiter*innen in Deutschland befragt.

Ergebnisse

Exklusiv-Befragung (pdf, 5 MB)
Jetzt herunterladen

Download-Hinweis

Du lädst eine pdf-Datei herunter.

KiKA Exklusiv-Befragung

Wer wurde befragt?

373 geschulte Interviewer befragten 1.296 Erst- bis Sechstklässler in ganz Deutschland. Die Befragung von Schülern im Alter von sechs bis 13 Jahren fand im Zeitraum vom 21. Februar bis zum 29. März 2019 statt und wurde durch das Marktforschungsinstitut "iconkids&youth" im Auftrag von KiKA durchgeführt. Die ermittelten Ergebnisse sind repräsentativ für Erst- bis Sechstklässler in Deutschland.