Wem gehört dieses Bild?

Timster

Wem gehört dieses Bild?

Bei Timster geht es anlässlich des Safer Internet Day um das Recht am eigenen Bild und das Urheberrecht. Tim bespricht mit dem Medienpädagogen Fabian Wörz, worauf Kinder und Erwachsene beim Veröffentlichen von Bildern achten müssen.

Sendung & Timster Treff anschauen nach oben

Fabian Wörz gibt Tipps für Eltern

Ob erste Fahrradversuche, die Einschulung oder das neue Karnevalskostüm: Eltern halten besondere Momente mit ihren Kindern oft mit der Kamera oder dem Smartphone fest. Stolz stellen sie die Fotos ins Netz.

Aber gefällt es den Kindern, so präsentiert zu werden? Wem gehören die Bilder und wer hat Zugriff darauf? Neben dem Recht am eigenen Bild spielt auch das Urheberrecht eine wichtige Rolle beim Veröffentlichen von Fotos. Der Medienpädagoge Fabian Wörz gibt Hinweise zur Veröffentlichung von Bildern sowie zum Umgang mit Bildern, die ungewollt im Netz kursieren.

Was sollten Eltern beachten? nach oben

Fabian Wörz: Zunächst sollte geschaut werden, ob andere Personen auf dem Foto zu erkennen sind. Ohne die Einwilligung der erkennbaren Personen darf ein Foto nicht veröffentlicht werden. Für den privaten Gebrauch (z.B. das gedruckte Familienalbum) darf es normalerweise verwendet werden.

Die Grenzen zwischen privat und öffentlich verändern sich durch Social Media-Angebote wie Facebook und WhatsApp. Auch rechtlich gibt es an vielen Stellen noch keine Klarheit, wann es sich bei dem Teilen eines Fotos um eine Veröffentlichung handelt.

Eindeutig handelt es sich um eine Veröffentlichung, wenn der Zugriff auf die Fotos uneingeschränkt möglich ist (z.B. das Teilen auf Facebook ohne die Privatsphäreeinstellungen anzupassen). Das Profilbild bei WhatsApp ist öffentlich, außer es wird vorher eingestellt, wer es sehen kann. Bei dem Versenden an bestimmte Personen oder kleine Gruppen über WhatsApp ist es weniger eindeutig.

Fabian Wörz: Eltern sollten unbedingt mit ihren Kindern darüber reden, ob sie überhaupt möchten, dass Fotos von ihnen mit anderen geteilt werden. Dabei kommt es auch darauf an, was auf den Fotos zu sehen ist. Es kann gut sein, dass Eltern ein Foto besonders süß finden, dem Kind selbst kann es dagegen sehr peinlich sein.

Fabian Wörz: Oftmals ist nicht abzusehen, welche Auswirkungen ein Foto in ein paar Jahren haben könnte. Was heute noch harmlos ist, kann den Kindern später unangenehm sein. Sind die Kinder noch zu jung, um gemeinsam zu entscheiden, ob und mit wem Fotos geteilt werden, sollte ganz darauf verzichtet werden, Fotos zu veröffentlichen, auf denen Kinder erkennbar sind.

Dass Eltern stolz auf ihre Kinder sind und Fotos mit anderen teilen wollen, ist gut nachvollziehbar. Sie sollten jedoch darüber nachdenken, welche Folgen mit der Verfügbarkeit von Fotos im Internet einhergehen können.

Die Fotos können sehr einfach von anderen gespeichert, weitergegeben und verändert werden. Stehen Inhalte einmal im Internet, kann es sehr schwierig werden, die Kontrolle darüber zu behalten, was mit ihnen passiert.

Eltern sollten sich auch die Frage stellen, ob sie möchten, dass fremde Personen und Unternehmen wie Facebook Zugriff auf umfassende Informationen über ihre Kinder haben.

Fabian Wörz: Die rechtlichen Grundlagen für das Veröffentlichen von Bildern können sehr kompliziert wirken. Für Kinder reicht es vollkommen, die Idee hinter den zwei großen Bausteinen "Recht am eigenen Bild“ und "Urheberrecht" zu verstehen:

  • Ich und alle anderen haben das Recht, darüber zu entscheiden, was mit Fotos passiert, auf denen wir zu sehen sind.
  • Fotos und Bilder, die andere gemacht haben, darf ich nicht einfach ungefragt verwenden, weil die jeweiligen Urheber entscheiden dürfen, was mit ihren Werken passiert.
  • Auf Knipsclub.de gibt es dazu zwei kurze Erklärvideos, die von Kindern für Kinder gemacht wurden. Die Videos können Eltern sich gemeinsam mit ihren Kindern anschauen und zum Anlass nehmen, über die Regeln zu sprechen.

Fabian Wörz: Es kann von den entsprechenden Personen und Anbietern eingefordert werden, die Bilder zu löschen. Falls dieser Weg nicht zum Erfolg führt, können rechtliche Schritte unternommen werden, um die Unterlassung zu erwirken.

Wenn das Foto selbst aufgenommen wurde, wird mit der ungefragten Verbreitung neben dem Recht am eigenen Bild auch das Urheberrecht verletzt.

Es kann sehr schwierig sein, die Kontrolle über ein Foto zurückzugewinnen, wenn es sich online bereits verbreitet hat. Deswegen ist es besser, sich bereits zuvor gut zu überlegen, ob es online veröffentlicht werden soll. Einmal hochgeladene Fotos können auch nach Löschung noch auf verschiedenen Servern und privaten Festplatten gespeichert sein.

Fabian Wörz: Eltern können ihren Kindern erklären, wie das Recht am eigenen Bild funktioniert und warum es so wichtig ist. Es schützt uns z.B. davor, dass andere peinliche Fotos von uns veröffentlichen.

Es ist wichtig, den Kindern zu erklären, warum sie nicht ungefragt Fotos von anderen verschicken und veröffentlichen sollten.

Dafür ist es auch sinnvoll, über die möglichen Folgen zu sprechen. Sie können erklären, wie schnell sich Fotos online verbreiten und wie schwierig es ist, ein ungewolltes Foto wieder loszuwerden, wenn es erstmal veröffentlicht wurde. Auch, wenn Bilder über einen Messenger wie WhatsApp verschickt werden, können sie von anderen sehr einfach gespeichert, verändert und weiterverbreitet werden.

Checkliste nach oben

Fabian Wörz: Wenn Eltern sich entscheiden, Fotos von ihren Kindern zu veröffentlichen, nachdem sie gemeinsam mit ihnen darüber gesprochen haben, sollten Sie einige Fragen bedenken:

  • Was ist auf dem Foto zu sehen?
  • Könnte es sein, dass meinem Kind das Foto später peinlich sein wird?
  • Will ich wirklich, dass das Gesicht meines Kindes zu sehen ist?
  • Lässt sich das Foto auch so machen, dass das Gesicht nicht genau zu erkennen ist?
  • Wie würde ich auf ein ähnliches Kinderfoto von mir selbst im Internet reagieren?
  • Wo teile ich das Foto?
  • Wer kann es sehen?
  • Habe ich mir vorher die Privatsphäreeinstellungen angeschaut?
  • Wie sicher ist die Anwendung, die ich benutze und welche Interessen verfolgen die Unternehmen, die dahinter stehen?

Welche Informationsangebote gibt es u.a. für Eltern? nach oben

Auf webhelm.de können Eltern die wichtigsten Informationen zu den rechtlichen Grundlagen noch einmal nachlesen. Die Themen Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte werden in kurzen Videos erklärt.

irights.info ist eine Informationsplattform, die Antworten auf die vielfältigen rechtlichen Fragen im Internet bietet.

Klicksafe.de und Saferinternet.at bieten Eltern Hintergrundinformationen, Hinweise und Material, die ihnen dabei helfen, ihr Kind beim Heranwachsen mit Medien kompetent zu begleiten. Für Fragen zur Veröffentlichung um zum Versenden von Bildern finden Eltern übersichtliche Checklisten, die allerdings nur der Anfang einer Auseinandersetzung mit dem Thema sein sollten.

Safer Internet Day als Anlass

Der Safer Internet Day ist ein Aktionstag für mehr Sicherheit im Netz. Weltweit beteiligen sich Institutionen, Schulen oder Vereine. Sie nehmen den Tag zum Anlass für Aktionen, Gespräche oder Info-Angebote. Ziel ist, Menschen jeden Alters darauf aufmerksam zu machen, wie sie sich sicher im Internet bewegen können. In Deutschland koordiniert klicksafe.de die verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen.

Portrait von Fabian Wörz | Rechte: PHOTOGRAFIC Berlin

Fabian Wörz

Fabian Wörz ist Medienpädagoge und arbeitet als Medienpädagogischer Referent am "JFF - Institut für Medienpädagogik" in München. Seine Schwerpunkte liegen u. a. auf digitalen und interaktiven Medien und auf den Themen Datenschutz, Sicherheit und Privatsphäre.

Kommentar verfassen

Diese Felder müssen ausgefüllt werden. Alle anderen Angaben sind freiwillig. Wenn wir Ihnen antworten sollen, bitte E-Mail-Adresse angeben.

Seite verschicken

Sie können einen Link auf diese Seite ganz einfach weiterschicken:

Hinweis: Keine der Daten, die du hier eingibst, werden dauerhaft gespeichert.

Erfahre mehr über das Thema Datenschutz!

Die so gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.