Mobbing

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Expertinnen der Mobbing-Prävention geben Tipps

Mobbing bedeutet, dass jemand über einen längeren Zeitraum gehänselt, bedroht oder schikaniert wird. Wie erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist? Wie kann ich mein Kind unterstützen und welche Tipps können Schulen anwenden?

Wie können Eltern Mobbing erkennen? nach oben

Sabine Marx: Ihr Kind hat plötzlich keine Lust mehr, in die Schule zu gehen. Es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren. Die Noten verschlechtern sich. Das Kind reagiert häufiger gereizt und ist empfindlicher als sonst. Das Kind hat wenig Appetit, schläft schlecht, klagt über Kopf- oder Bauchschmerzen.

Vielleicht ist es verschlossener als sonst, zieht sich zurück, trifft sich kaum oder gar nicht mehr mit Freunden und Klassenkameraden oder kommt mit beschädigter Kleidung oder sogar körperlichen Verletzungen nach Hause.

Für Eltern: 10 Tipps gegen Mobbing von Sabine Marx nach oben

Sabine Marx: Kinder, die gemobbt werden, haben oft Angst, sich jemandem anzuvertrauen. Häufig suchen sie die Schuld bei sich, wollen keine „Petze“ sein oder möchten ihre Eltern nicht belasten. Einige befürchten, dass sich ihre Situation verschlimmert, wenn Erwachsene eingreifen.

Wenn Sie mitbekommen, dass Ihr Kind gemobbt wird, nehmen Sie sich Zeit für Gespräche: Hören Sie Ihrem Kind in Ruhe zu. Zeigen Sie, dass Sie ihm glauben. Akzeptieren Sie Gefühle wie Hilflosigkeit, Angst, Ärger, Wut und Scham.

Sabine Marx: Vermeiden Sie alle Formen von Beschuldigungen oder Herunterspielen von erlebten Situationen oder Erfahrungen. Äußerungen wie zum Beispiel "Da musst du dich mal wehren!", "Du darfst dir nicht alles gefallen lassen!" oder Fragen wie "Aber warum hast du dich nicht gewehrt?" können vom Kind als Vorwurf gehört werden und den Druck eher verstärken, als entlastend wirken.

Sabine Marx: Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was es konkret tun kann, so zum Beispiel: Sich auf dem Schulweg anderen, am Mobbing unbeteiligten Kindern anschließen. Zudem kann Ihr Kind in Situationen anders reagieren, als die mobbenden Kinder erwarten oder deutlich, klar und laut sagen: "Stopp! Ich will das nicht!"

Sabine Marx: Ermutigen Sie Ihr Kind, sich bei Angriffen sofort Hilfe zu holen, zum Beispiel bei LehrerInnen und anderen Schülern. Machen Sie deutlich, dass das kein Petzen ist! Wenn es hinfallen und sich verletzen würde, würde es sich auch direkt Hilfe holen. Mobbing kann schmerzlicher und auf Dauer gefährlicher sein als ein Sturz.

Sabine Marx: Machen Sie Ihrem Kind Mut, neue Freundschaften zu knüpfen. Freunde sind der beste Schutz davor, angegriffen zu werden.

Sabine Marx: Mobbing kann das Selbstbewusstsein Ihres Kindes angreifen. Helfen Sie Ihrem Kind dabei, eigene Stärken zu entdecken, Neues auszuprobieren. Ermöglichen Sie positive Erlebnisse in der Familie oder beim Ausüben von Hobbys.

Sabine Marx: Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn das Kind sehr leidet und Beschwerden nicht aufhören. Erste Anlaufstellen können Erziehungsberatungsstellen sein. Es gibt auch Beratungsstellen, die sich auf das Thema Mobbing spezialisiert haben.

Sabine Marx: Experten raten davon ab, direkt mit Kindern zu sprechen, die mobben oder mit deren Eltern. Die Erfahrung zeigt, dass sich dadurch der Konflikt eher verschärft und die Position des gemobbten Kindes geschwächt wird.

Sabine Marx: Machen Sie sich Notizen über die Fakten: Was ist wann, wie und wo geschehen? Wer war daran beteiligt? Gab es Zeugen?

Sabine Marx: Werden Sie aktiv und informieren Sie die Schule. Lassen Sie Ihr Kind wissen, was Sie tun und mit wem Sie Kontakt aufnehmen. Sprechen Sie zunächst mit der/m KlassenlehrerIn über das Mobbing und tauschen Sie sich mit ihr/ihm aus: Was wissen Sie, was weiß sie/er über das Mobbing? Wenn sie/er nicht aktiv wird oder sich nichts ändert, können Sie auch mit einem Schulsozialpädagogen und der Schulleitung sprechen. Lassen Sie nicht locker.

Für die Schule: 5 Tipps gegen Mobbing nach oben

Sabine Marx: Mobbing unter Kindern findet sehr häufig in der Schule statt. Ein Kind wird gemobbt, wenn es von einem anderen Kind oder mehreren in gemeiner Weise gehänselt, unter Druck gesetzt, bedroht oder sonst irgendwie schikaniert oder sogar geschlagen wird. Mobbing ist nicht zeitlich begrenzt. Es kann über einen längeren Zeitraum anhalten. Die Grundhaltung an einer Schule sollte sein: Für Mobbing gibt es keine Rechtfertigung. Mobbing wird nicht toleriert.

Checkliste
1. Mobbing nie ignorieren oder dulden, sondern frühzeitig eingreifen und stoppen.
2. Getrennte Gespräche sowohl mit gemobbten Kind und mobbenden Kind bzw. Kindern führen.
3. Gespräche nicht im Beisein anderer Schüler oder vor der Klasse führen.
4. Sofort mit allen betroffenen Eltern Kontakt aufnehmen, sowohl den Eltern des gemobbten Kindes als auch den Eltern von mobbenden Kindern.
5. In den Klassen Regeln für ein faires Miteinander erarbeiten, so zum Beispiel: jeder hat das Recht auf respektvollen Umgang oder Hilfe holen ist kein Petzen.

Mobbing-Prävention am Gymnasium Petrinum nach oben

Am Petrinum Gymnasium in Recklinghausen werden seit über 20 Jahren Schülerinnen und Schüler als Anti-Mobbing-Paten ausgebildet. Über ein Schuljahr hinweg lernen sie in einer Ausbildung, wie sie Mobbing erkennen und bekämpfen können. Im Anschluss an die einjährige Ausbildung bekommen die Paten eine neue fünfte Klasse zugeteilt, die sie für die folgenden zwei Jahre eng betreuen.

Sabine Marx | Rechte: KiKA | Sabine MArx

Die Expertin

Sabine Marx

Sabine Marx ist die Beraterin des KUMMERKASTEN-Teams. Sie ist Leiterin der Diakonie eMail-Beratung für Kinder und Jugendliche und gibt auf den Erwachsenenseiten regelmäßig Tipps zu den Themen.

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