"Mehr als traurig"

KUMMERKASTEN

"Mehr als traurig"

Depression erkennen und behandeln lassen

Depression ist eine psychische Erkrankung, die das Fühlen, Denken und Handeln von Menschen beeinflusst. Die Ursachen und Symptome sind bei Erkrankten sehr unterschiedlich. Wird die Krankheit früh erkannt, ist sie in den meisten Fällen gut behandelbar. Deswegen gilt: Unbedingt Hilfe holen!

Wichtig: Ob jemand an einer Depression erkrankt ist, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt diagnostizieren. Holen Sie sich insbesondere im Fall von Suizidabsichten oder Suizidversuchen umgehend Unterstützung bei Fachleuten.

19 Prozent aller Menschen zwischen 18 und 65 Jahren waren schon einmal an einer Depression erkrankt.* Depression ist damit eine der häufigsten psychischen Krankheiten. Betroffene erleben die Krankheit sehr unterschiedlich, auch die Ursachen sind verschieden. Ihr geht fast immer eine längere Phase mit gedrückter und zugleich gereizter Stimmung voraus.

Auch Kinder können an einer Depression erkranken. Eine Folge des Doku-Formats "Schau in meine Welt!" beschäftigt sich mit diesem Thema. Phil ist zwölf Jahre alt und hat bei einer Therapie in einer Klinik gelernt, mit seiner Depression umzugehen. Verschiedene belastende Ereignisse führten in seinem Fall nach einer langen Phase der Traurigkeit zu einer Depression. KiKA zeigt "Phil und das Traurigsein" im Rahmen der KUMMERKASTEN-Sendung "Mehr als traurig" am 8. April 2018 ab 20 Uhr.

Welche Ursachen und Anzeichen können Depressionen haben? nach oben

Wie für Erwachsene gilt auch für Kinder und Jugendliche, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, um eine Depression auszulösen.

Völlig egal, ob ein Kind oder ein Erwachsener krank wird, die genauen Ursachen und die auslösenden Faktoren sind bis heute nicht vollständig geklärt. Die Faktoren für eine depressive Erkrankung können unterschiedlich sein: Psychische, biologische (zum Beispiel genetische) und soziale Einflüsse aus dem persönlichen Umfeld (wie Familie, Freunde, Schule) können zu einer Depression führen.

  • ständige Überlastung und anhaltender Stress
  • viele Veränderungen in sehr kurzer Zeit
  • einschneidende, größere Veränderungen  (z. B. Trennung, Scheidung, Verlust, Ortswechsel)
  • traumatische Erlebnisse (z. B. Tod von Angehörigen, schwere Erkrankung in der Familie, Unfall, Missbrauch)
  • Liebeskummer
  • Streit in der Schule, Kränkungen oder Mobbing
  • Misserfolge in der Schule oder beim Sport
  • Drogenmissbrauch (z. B. Alkohol, Rauchen)
  • bestehende andere schmerzhafte Erkrankungen
  • genetische, vererbte Anlagen
  • hormonelle Veränderungen (z. B. bei Stress-Hormonen)
  • Ungleichgewicht von Botenstoffen, zum Beispiel in bestimmten Hirnregionen

Mögliche Anzeichen einer Depression

Ab dem Grundschulalter kann es zu einer depressiven Erkrankung kommen. Mit Beginn der Pubertät steigt die Möglichkeit deutlich an. In dieser Zeit wird es schwierig, Anzeichen rechtzeitig und richtig zu erkennen. Denn für Teenager in der Pubertät wird vieles anders. Ihr Körper und ihr Erscheinungsbild verändert sich, dazu kommen hormonell bedingte Schwankungen. Jugendliche sind auf der Suche nach ihrer eigenen Persönlichkeit und grenzen sich von ihren Eltern ab. Gespräche fallen in dieser Zeit oft schwer.

Anzeichen für eine depressive Erkrankung sind langanhaltend und über mehrere Wochen und Monate vorhanden. Es müssen nicht alle Anzeichen gleichzeitig auftreten.

  • länger anhaltende gedrückte und zugleich gereizte Stimmung
  • große Traurigkeit
  • Angst vor Neuem und Angst vor der Zukunft
  • Verzweiflung
  • starke Schuldgefühle
  • Leere

  • Probleme bei Denkprozessen, beim Konzentrieren und bei der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen
  • intensives Grübeln
  • mangelndes Selbstwertgefühl, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten
  • Gedanken an Tod und Selbsttötung

  • Gefühl von fehlender Energie, Trägheit und Antriebslosigkeit
  • Müdigkeit
  • Probleme beim Einschlafen und Durchschlafen (Schlafstörungen)
  • Appetitlosigkeit
  • starke Gewichtsabnahme

  • Rückzug von Freunden
  • der wiederkehrende Wunsch, lieber allein zu Hause zu bleiben
  • mangelnde und abnehmende Lust, Dinge zu tun, die vorher zum alltäglichen Leben gehört haben (z. B. keine Lust mehr auf Hobbys)
  • verlangsamte Sprache und Bewegung
  • innere Unruhe
  • wenig bewegte, fast starre Mimik

Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind und reden Sie miteinander. Versuchen Sie jedoch nicht, schnelle Lösungen zu finden oder vorzuschlagen. Neben Reden ist geduldiges, zugewandtes Zuhören gut.

Halten Sie sich mit Tipps, Ratschlägen und Aufforderungen zurück. Kommentare wie "Ach komm, das geht schon wieder vorbei", "Kopf hoch, wird schon wieder", "Reiß dich doch mal zusammen" und "Stell dich nicht so an" führen eher dazu, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter sich unverstanden und noch mehr unter Druck gesetzt fühlt.

Wenn Ihr Kind sie als Eltern als zu nahe empfindet, kann es sich auch vertrauensvoll an andere Menschen wenden, so zum Beispiel an Mitarbeiter von Erziehungs- und Familienberatungsstellen, Schulsozialarbeiter oder Schulpsychologen.

Beobachten Sie seit einiger Zeit ein verändertes Verhalten an Ihrem Kind? Wirkt es niedergeschlagen und teilnahmslos? Hat es keine Freude mehr an seinen Hobbys und an Dingen, die ihm sonst immer Spaß gemacht haben? Zieht sich Ihr Kind mehr und mehr zurück, trifft sich kaum noch mit Freunden? Hat es weniger Appetit und verliert an Gewicht? Schläft es schlecht oder viel mehr als sonst und hat Konzentrationsprobleme? Oder äußert es Gedanken über Tod und Suizid?

Bleiben Sie nicht allein mit Ihren Beobachtungen, sondern holen Sie sich professionellen Rat und Unterstützung von Fachleuten. Insbesondere im Fall von Suizidabsichten oder -versuchen reagieren Sie schnell und umgehend.

Ein erster Ansprechpartner kann der Arzt sein, der Ihr Kind schon lange kennt (wie Ihr Hausarzt oder der Kinderarzt). Experten für die Diagnose und Behandlung von Depression sind Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Kinder- und Jugendpsychotherapie. Sie können durch Untersuchungen herausfinden, ob Ihr Kind tatsächlich an einer Depression erkrankt ist und welche weiteren Schritte notwendig und hilfreich sind.

Scheuen Sie sich nicht, sich selbst Hilfe und Unterstützung zu suchen, wenn Sie das Gefühl haben, an Ihre Grenzen zu kommen.

Informieren Sie sich über Depression. Machen Sie sich klar, dass es eine Erkrankung ist, die viele Ursachen haben kann und sich nie auf einen einzelnen Faktor oder eine einzelne Erklärung zurückführen lässt. Niemand ist schuld, weder Ihr erkranktes Kind, noch Sie als Eltern!

Wichtig ist, dass sie erkannt wird, dann ist eine Depression gut behandelbar.

Depressionen können mit Medikamenten und mit einer Psychotherapie behandelt werden. Bei Kindern und Jugendlichen stehen im Zentrum einer Psychotherapie Einzel- und Gruppengespräche und spezielle Übungen, mit denen die Gedanken, Gefühle und das eigene Verhalten in Zukunft besser gesteuert werden können. Das persönliche Ziel der Therapie wird vorher zusammen mit dem Psychotherapeuten festgelegt.

Dazu kommen oft noch andere Angebote, die helfen sollen, die Depression zu überwinden, zum Beispiel Sport, Entspannungsübungen oder autogenes Training. Diese Angebote sind sehr individuell.

Wann wird aus Traurigkeit eine Depression? nach oben

Traurig sein und depressiv sein wird umgangssprachlich oft synonym verwendet. Daher ist es wichtig, genau hinzuschauen und zu unterscheiden.

Traurig zu sein und Trauer zu empfinden ist ein menschliches Gefühl, das wieder vorübergeht. Es ist eine ganz normale Reaktion auf ein trauriges, schlimmes Ereignis, so zum Beispiel den Tod eines lieben Menschen, eine Trennung, ein Verlust oder größere, einschneidende Veränderungen.

Eine Depression dagegen löst sich nicht ohne Hilfe von selbst auf. Während bei Traurigkeit die Unterstützung von Familie und Freunden oder ein Ortswechsel bereits ausreichen können, um die Traurigkeit zu "lösen", braucht es bei einer Depression die Hilfe und Behandlung einer Fachfrau oder eines Fachmanns.

Traurigkeit Depression
normales, starkes Gefühl, ausgelöst durch ein schmerzliches Erlebnis oder Ereignis psychische Krankheit
Gefühl der Traurigkeit gibt uns zu verstehen, dass etwas, was einem wichtig ist, sich verändert hat. unnormale Störung im Gefühlsleben
Kommt aus dem Moment heraus, wird von den Umständen ausgelöst und verschwindet früher oder später wieder von selbst. Wird u. a. von den Lebensumständen ausgelöst, aber der veränderte Gefühlszustand ist dauerhaft und löst sich nicht ohne Hilfe von selbst wieder auf.
Vorübergehend, aber eine langanhaltende Traurigkeit kann zu einer Depression werden. über einen längeren Zeitraum, kann nach einer symptomfreien Phase wieder kommen
weinen, wenig Selbstwertgefühl, alles erscheint grau Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, innere Leere, Teilnahmslosigkeit, Lustlosigkeit, Besorgnis, Unruhe, Gefühl der Hilflosigkeit…
Antriebslosigkeit eher selten, wenn man traurig ist - auch mit diesem Gefühl kann man seine normalen Alltagsaufgaben erfüllen.
 
Starke Antriebslosigkeit, es kann zum Beispiel schon die Kraft fehlen, aus dem Bett aufzustehen.

* Themenheft "Depressive Erkrankungen", herausgegeben vom Robert Koch-Institut im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2010)

Sabine Marx | Rechte: KiKA | Sabine MArx

Die Expertin

Sabine Marx

Sabine Marx ist die Beraterin des KUMMERKASTEN-Teams. Sie ist Leiterin der Diakonie eMail-Beratung für Kinder und Jugendliche und gibt auf den Erwachsenenseiten regelmäßig Tipps zu den Themen.

Sie haben Fragen zum Thema? Dann schreiben Sie uns!

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Den sozialpsychiatrischen Dienst gibt es in jeder Stadt und Region. Er bietet soziale und fachärztliche Beratung. Die Telefonseelsorge gibt Hilfestellungen bei Problemen und Sorgen. In Foren können sich Betroffene und Angehörige austauschen.

Hilfe für Ihr Kind

Das Angebot "Nummer gegen Kummer" richtet sich an Kinder und Jugendliche, die dort anonym und kostenlos anrufen können. Der Verein bietet auch eine Mailberatung an. Die Deutsche Depressionshilfe bietet neben einem Info-Telefon auch ein Online-Angebot für junge Menschen. In einem Forum können sie sich über Probleme austauschen.