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Medienheld*innen sind Vorbilder

Medienheld*innen sind Vorbilder, die Kinder stark beeindrucken. Schließlich können die schon, was das Kind oft noch nicht kann! Welcher Held oder welche Heldin euer Kind beeindruckt, hängt vor allem davon ab, in welcher Entwicklungsphase es sich befindet oder mit welchen Themen es sich gerade beschäftigt.

Dank Handys Ausrüstung wird aus Fürchti ein Superheld. Leider endet jeder Einsatz in einer Katastrophe. Ob Fürchti noch zeigen kann, wie heldenhaft er ist?

Was ist Vorschulkindern wichtig?

Kinder im Vorschulalter achten besonders auf das Aussehen von Figuren, was die Figuren tun und was ihr Handeln am Ende für Auswirkungen hat. Auch die Geschlechterunterscheidung spielt dabei schon eine Rolle. Kinder in dem Alter wollen sich selbst entdecken. Sie sind auf der Suche nach ihrer eigenen Rolle und finden diese in ihren Lieblingsheld*innen vielleicht wieder. Vor allem die häufige klare Einteilung in Gut und Böse hilft den Kindern, ein eigenes Wertesystem zu entwickeln und Handeln zu reflektieren. Die Kinder identifizieren sich so stark mit ihren Held*innen, dass sie beinahe mit ihnen verschmelzen und "in ihre Haut schlüpfen". Sie spielen an Stelle des Helden oder der Heldin das eben Gesehene nach und erfinden die Geschichte weiter. Daher ist es wichtig, dass ihre Vorbilder sich weiterentwickeln!

Wer oder was bin ich und was darf ich außerdem noch sein? Was ist erlaubt und was wird gerade noch akzeptiert? Wie kann ich mich behaupten? Wie funktioniert die Welt und was kann ich hier alles machen? Welche Handlungen sind gut und welche böse?
Mit diesen Fragen setzt sich das Kind aktiv mit seiner Umwelt auseinander. Es will lernen, sich darin einzuordnen, gleichzeitig aber eigenständig sein und sich abgrenzen. All die Fragen sind also legitim und Teil einer gesunden Entwicklung.

Held*innen bei Grundschulkindern

Mit dem Wachsen der Kinder ändert sich auch ihre Vorliebe für Held*innen. Während sich Jungs im Grundschulalter zunehmend an realistischen Figuren orientieren, suchen sich Mädchen in der Regel weibliche Held*innen als Vorbilder, die ihnen verschiedene Arten von Weiblichkeit vorleben.

Aber aufgepasst! Leider sind besonders weibliche Heldinnen immer noch sehr häufig sexualisiert und stark klischeebehaftet. Dies kann zu einer falschen Wahrnehmung von Geschlechterrollen und Selbstvorwürfen in Bezug auf den eigenen Körper führen. Heldinnen werden in der Regel sehr schlank und hübsch dargestellt und nehmen häufig die Rolle des hilflosen „Opfers“ ein, das von einem männlichen Helden beschützt werden muss. Schaut euch gemeinsam mit eurem Kind die Serie oder den Film an und sprecht anschließend kritisch mit ihm darüber. So lernt es, Geschlechterrollen und Schönheitsideale zu hinterfragen und schult sein kritisches Denken.

Held*innen haben schon viel geschafft!

Dass die Medienheld*innen bei der Auseinandersetzung ein Vorbild sind, ist verständlich. Sie knüpfen an die Fragen der Kinder an. In ihren Augen haben sie sich schon eine Position erkämpft, weil sie schon stark sind, weil sie witzig und wortgewandt sind, weil sie schlauer sind und mutig, weil sie sich in Konkurrenzsituationen und gegen Gefahren durchsetzen können. Und weil sie wissen, wie man sich in schwierigen Situationen richtig verhält.

Wenn ihr Interesse für die Medienheld*innen eures Kindes zeigt, merkt ihr, womit sich euer Kind gerade beschäftigt. Es stärkt eure Bindung und das Vertrauen des Kindes in euch. Außerdem gibt euer Interesse dem Kind zusätzlich Sicherheit, schenkt ihm Geborgenheit und Zuversicht. Es fühlt sich verstanden.

Identitätsstütze für Jugendliche

Gerade bei Jugendlichen geben die Medienheld*innen eine Hilfestellung zur Identitätsentwicklung. Sie dienen als Vorbilder, mit denen und über die sie sich identifizieren können. Besonders Pre-Teens im Alter von 11 bis 13 nutzen Held*innen und andere Vorbilder, um sich von anderen Gruppen abzugrenzen und die eigene Gruppenzugehörigkeit zu stärken. Durch die vielen Handlungsoptionen in bestimmten Situationen, die Held*innen Jugendlichen geben, haben diese die Möglichkeit, sich auszuprobieren und zu erkennen, welche Option am besten für sie selbst passt. Dies kann nachhaltig beim Finden der eigenen Identität helfen. Ihre Zuneigung zu den Figuren sollte also auf keinen Fall runtergespielt werden, sonst kommt es zu Frust- und Schamgefühlen bei Pre-Teens.

Auch hier gilt wieder: sprecht mit eurem Kind über seine oder ihre Held*innen! Gerade bei Teenagern geben die Vorbilder einen tiefen Einblick in die aktuellen Interessen, Vorlieben und auch in die Richtung der Persönlichkeitsentwicklung. Zeigt Interesse und schaut vielleicht sogar zusammen einen Film. So fühlt sich euer Kind verstanden und bestätigt darin, dass seine Held*innen-Wahl richtig ist. Dies stärkt nachhaltig eure Bindung für das gesamte Teenager-Alter.

Die Held*innen der Kinder akzeptieren

Ob Mama und Papa oder Oma und Opa: Jede Generation hat ihre eigenen Held*innen. Seid euch bewusst, dass ihr als Eltern eventuell ganz andere Vorlieben und Interessen hattet und habt als eure Kinder. Respektiert also die Entscheidung eures Kindes und sprecht über die verschiedenen Meinungen - das kann auch für das Kind förderlich wirken. Wichtig ist: Sprecht nicht abwertend über die Held*innen des Kindes.

Stand: 26.07.2022, 11:50 Uhr