Medienerziehung

Cybermobbing abwehren

Cybermobbing oder Cyberbullying bezeichnet die bewusste Belästigung im Internet. Dazu zählen Beleidigungen, die Verbreitung von Gerüchten oder der Datenmissbrauch, zum Beispiel durch die Veröffentlichung von Fotos, die jemanden bloßstellen.

Cybermobbing ist durch die intensive Smartphone-Nutzung vieler Jugendlicher rund um die Uhr möglich und nimmt auch zu Hause kein Ende. Vor allem soziale Netzwerke wie Instagram oder YouTube bieten für Täter eine gewisse Anonymität und werden für diese Angriffe missbraucht. Oft ist den Opfern der Täter bekannt, da er aus dem eigenen Umfeld kommt.

Was tun, wenn mein Kind betroffen ist? nach oben

Aus Angst oder Scham trauen sich viele Kinder nicht, ihren Eltern etwas über Mobbing zu erzählen. Wenn ihr das Gefühl habt, dass euer Kind ungewöhnlich verschlossen ist oder nicht mehr zur Schule gehen möchte, dann sucht das Gespräch mit einer Vertrauensperson des Kindes (z.B. dem besten Freund/der besten Freundin).

„Man muss immer den Kontakt zum Kind suchen. Man muss fragen: Sag mal, was machst du denn alles online? Wo chattest du? Und es muss ein gutes Vertrauensverhältnis da sein.“

Polizist Mike Hengelhaupt (Polizei Thüringen)

  • Kind in Lösungsversuche einbeziehen
  • Gespräch mit Täter*in allein oder gemeinsam mit Eltern oder Lehrkräften suchen
  • bei Anonymität des Täters Webseiten-Betreiber informieren
  • verletzende Inhalte aus dem Netz entfernen
  • Beweismaterial in Form von Screenshots sichern
  • bei schweren Verstößen Anzeige bei Polizei erstatten
  • Kind nicht mit Handy- und Internetverbot bestrafen

Bestätigt sich der Verdacht, dann sucht gemeinsam nach Lösungen. Nehmt konkrete Schritte nicht allein vor, sondern bezieht euer Kind in ihre Lösungsvorschläge ein. Ansonsten könnte dies die Mobbing-Situation für euer Kind noch verschlimmern.

Wenn euer Kind einverstanden ist, dann macht den Täter ausfindig. Häufig ahnt euer Kind bereits, um wen es sich handeln könnte. Vereinbart ein Gespräch mit ihm allein oder gemeinsam mit den Eltern oder Lehrkräften. Redet über mögliche Gründe und Problemlösungen. Wird Mobbing erst einmal konkret angesprochen, hört es oft schon auf. Mitunter ist den Beteiligten gar nicht bewusst, dass sie jemandem mit ihrem Verhalten wehtun.

Informiert bei Anonymität des Täters die Webseiten-Betreiber. Soziale Netzwerke haben oft einen Notfallknopf, mit welchem man andere Nutzer*innen melden kann. Diese sind in der Lage, dessen Profil zu löschen oder bestimmte rechtsverletzende Inhalte zu entfernen.

Lasst verletzende Inhalte sofort aus dem Netz entfernen – entweder durch den Täter selbst oder durch den Seiteninhaber. Je länger die Inhalte im Netz sind, desto weiter können sie sich verbreiten. Sichert zuvor allerdings Beweismaterial in Form von Screenshots und verfügbaren Informationen über den Täter z.B. Nickname.

Erstattet Anzeige bei der Polizei, falls es zu schweren Verstößen wie länger andauernden, massiven Beleidigungen, Drohungen und groben Persönlichkeitsrechtsverletzungen kommt.

Bestraft euer Kind nicht dafür, dass es Opfer einer Mobbingattacke geworden ist, indem ihr ein Handy- und Internetverbot verhängen. Persönliche Fotos können auch durch andere Personen als das Kind selbst ins Internet geraten, beispielsweise durch heimliche Handy-Fotos von Schulkamerad*innen.

Was tun, wenn mein Kind beteiligt ist? nach oben

Redet mit eurem Kind über den Verdacht. Macht keine Schuldzuweisungen, dann wird es sich euch nicht öffnen. Versucht Gründe zu ermitteln, warum es andere beleidigt. Es ist möglich, dass euer Kind aus der Angst heraus handelt, selbst ein Opfer zu werden oder es darin eine Möglichkeit gefunden hat, sich in seiner Gruppe anerkannter oder mächtiger zu fühlen.

„Wir müssen mit dem Kind darüber sprechen und das Kind aufklären darüber, dass es jemandem weh tut. Wir brauchen Einsicht.“

Polizist Mike Hengelhaupt (Polizei Thüringen)

  • Selbstwertgefühl des Kindes stärken
  • in Situation des Opfers hineinversetzen
  • konkrete Tipps zum Umgang mit Streitsituationen
  • Kontakt zu anderen Beteiligten und deren Eltern suchen
  • greifbare Konsequenzen nennen, wenn das Verhalten sich nicht ändert

Viele Täter*innen waren oder sind selbst Mobbing-Opfer. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, solltet ihr das Selbstwertgefühl eures Kindes stärken. Seid für euer Kind da, auch wenn etwas missglückt. Lobt es regelmäßig und sagt ihm so oft es geht, wie lieb ihr es habt und dass ihr froh seid, dass es da ist. Gleichzeitig muss es jedoch auch lernen, Grenzen zu beachten und für die Konsequenzen seines Handelns gerade zu stehen.

Verdeutlicht eurem Kind die Lage des Opfers. Bittet es, sich in dessen Situation hineinzuversetzen. Es sollte deutlich mitfühlen, wie unangenehm diese Rolle ist.

Helft eurem Kind dabei, sein Verhalten zu ändern. Nennt konkrete Alternativen, wie man mit Streitsituationen umgeht. Bezieht es selbst mit ein und fragt, welche Ideen es selbst hat.

Sucht den Kontakt zu anderen Tätern aus der Gruppe und deren Eltern. Besprecht gemeinsam, wie das Mobbing beendet werden kann.

Nennt eurem Kind greifbare Konsequenzen, wenn es sein Verhalten nicht ändert. Diese sollte bei Nicht-Einhaltung auch umgesetzt werden.

Wie kann ich vorbeugen? nach oben

Baut Vertrauen zu eurem Kind auf. Gebt ihm das Gefühl, sowohl positive als auch negative Online-Erfahrungen mit euch teilen zu können. Zeigt ehrliches Interesse. Es sollte nicht denken, dass ihr es nur aushorcht, um bestimmte Kommunikationsmittel zu verbieten. Nehmt ernst, dass das Internet ein wichtiger Teil seines Lebens ist.

Mike Hengelhaupt (Polizei Thüringen) empfiehlt, nötige Kinderschutz-Apps zu installieren, sowie ein separates, altersgerechtes Profil am Computer und auf dem Browser für das Kind anzulegen.

  • Chatregeln zur Vermittlung von Respekt im Internet vereinbaren
  • Courage zeigen, wenn andere online gemobbt werden
  • über Meldebuttons in Sozialen Netzwerken informieren
  • Interesse an Online-Erfahrungen zeigen
  • Onlinewelt aus den Augen des Kindes erklären lassen
  • gemeinsam neue Online-Trends diskutieren und ausprobieren
  • mitfühlend und entgegenkommend auf Verhaltensänderungen reagieren

Vereinbart gemeinsam Chatregeln zur Vermittlung von Respekt im Internet. Macht eurem Kind bewusst, dass hinter jedem Nutzer ein echter Mensch steht. Ein höflicher Umgang untereinander ist deshalb genauso wichtig wie im Alltag. Das Kind sollte außerdem wissen, dass es andere immer erst fragen muss, bevor es Bilder von und mit ihnen online veröffentlicht.

Animiert euer Kind dazu, Courage zu zeigen, wenn andere online gemobbt werden. Es könnte dem Opfer beistehen und sich dagegen aussprechen. Um sich nicht selbst zu gefährden, sollte dies allerdings mit Bedacht geschehen.

Entdeckt gemeinsam und auf Augenhöhe das Internet: Während euer Kind möglicherweise technisch versierter ist, habt ihr hingegen mehr Lebenserfahrung. Lernt von eurem Kind und lasst euch die Onlinewelt aus ihren Augen erklären. Diskutiert neue Trends und Themen und schaut euch gemeinsam seine Lieblingsaccounts an.

Achtet auf mögliche Anzeichen von Cybermobbing bei eurem Kind. Reagiert mitfühlend und entgegenkommend auf einen möglichen Wandel in seinem Verhalten.

Regt die Schule eures Kindes dazu an, eine Mediengruppe aufzubauen, in der sich Schüler gegenseitig bei Problemen helfen. Diese kann von Schülern geleitet werden, die Lehrer und Eltern aber miteinbeziehen.

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Stand: 19.07.2022, 11:28 Uhr

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Altersgerechte Hilfe für Opfer

"save-me-online" ist eine Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche. Gegenseitige Unterstützung geben sich Jugendliche auf "juuport". Bei Fragen und Sorgen bezüglich Mobbing, Liebeskummer oder Stress im Netz hilft die "Nummer gegen Kummer" weiter. Außerdem bietet die "Bundeskonferenz für Erziehungsfragen" Online-Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern an.

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