Wenn Nachrichten Angst machen

Mit Kindern über Krieg sprechen

Ständig und überall hören Kinder Nachrichten. Berichte über Kriege, Anschläge oder Naturkatastrophen können Kinder verunsichern und ihnen Angst machen. Darum ist es wichtig, mit ihnen zu sprechen, um ihnen Ängste und Unsicherheiten zu nehmen.

Wo finde ich kindgerechte Informationen zur Lage in der Ukraine? nach oben

"logo!" bei KiKA
samstags bis donnerstags, 19:50 Uhr und freitags, 19:25 Uhr

Die Wiederholung vom Vortag: montags bis freitags, 11:00 Uhr und samstags und sonntags, 6:00 Uhr

Nicht nur Erwachsene, auch Kinder werden mit Berichten zum Krieg in der Ukraine konfrontiert. Die Berichte und Bilder können sie verunsichern und ihnen Angst machen. Wir zeigen euch, wo es kindgerechte Informationen gibt und geben Tipps, wie ihr zur aktuellen Lage ins Gespräch kommen und euren Kindern die Ängste nehmen könnt. Hinweise zu Spendenmöglichkeiten für die Menschen in der Ukraine findet ihr auf den Seiten von ARD und ZDF.


Die Kindernachrichtensendung "logo!" informiert fortlaufend aktuell zur Lage in der Ukraine. Auf den Internetseiten erklärt "logo!" kindgerecht, wie es zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine kommen konnte und was dort jetzt passiert.

Schau in meine Welt!

Wie spreche ich mit meinem Kind über den Krieg in der Ukraine? nach oben

Zwei Mädchen sitzen auf einer Couch und halten Tablet und Smartphone in der Hand. | Rechte: KiKA
Abenteuer digital

Schaut gemeinsam mit eurem Kind die Kindernachrichten an. Ihr kommt ins Gespräch und Fragen können sofort beantwortet werden.

Die Informationen und Bilder vom Krieg in der Ukraine sind besonders für Kinder nicht einfach zu verarbeiten. Kinder haben Angst, weil sie die Situation auf sich und ihre Familie und Freunde übertragen. Angst zu haben ist dabei verständlich und eine normale Reaktion. Doch wie kannst du mit deinem Kind über den Krieg in der Ukraine sprechen?

10 Tipps, wie ihr mit euren Kindern über den Krieg sprechen könnt

In der Schule, in der Kita oder bei Freunden – Kinder bekommen viel mehr mit als Erwachsene denken. Deshalb fragt sie am besten, ob sie etwas wissen wollen oder das Thema sie gerade beschäftigt. Beobachtet, wie sie reagieren, wie sie später vielleicht spielen oder ob ihnen Situationen plötzlich Angst machen. Nicht jedes Kind traut sich, etwas zu sagen. Gerade deshalb sollten Kinder immer wieder Räume und Möglichkeiten bekommen, um über ihre Gedankenwelt zu sprechen.

Schaut, was eure Kinder bereits wissen und kommt so mit ihnen ins Gespräch. Zum Beispiel mit Fragen wie:

"Was weißt du schon über den Krieg?"
"Wie stellst du dir Krieg vor?"

Wenn ihr eine Vorstellung davon habt, was eure Kinder wissen, könnt ihr darauf aufbauen. Bezieht euch auf die Beispiele, die sie genannt haben oder nehmt Alltagssituationen, die eure Kinder kennen.

Eine mögliche Erklärung, die gerade kleinere Kinder gut verstehen können, ist der Streit. Streiten kennen Kinder nur zu gut und ein Krieg kann als Streit zweier Länder verstanden werden.

Tipp: Manchmal kann auch ein Film oder eine Serie helfen, in der das Thema auftaucht.

Nutzt einfache Worte und klare Beispiele, um das Thema zu erklären. Verzichtet auf dramatische Zuspitzungen, Anschuldigungen und Flüche. Je nach Altersgruppe, könnt ihr euren Kindern auch mehr Details zu dem Thema geben.

Achtet aber auch darauf, ob sie das wollen. Wenn eure Kinder ein Bedürfnis danach haben, mehr zu erfahren, könnt ihr z.B. zusammen Kindernachrichten wie "logo!" anschauen.

Auch wenn es um schlimme Dinge wie Krieg und Tod geht: Weicht nicht aus und spielt das Thema nicht herunter, auch wenn euch das vielleicht unangenehm ist.

Ihr könnt eure Kinder nicht von allem Unangenehmen fernhalten. Besser ihr bringt ihnen einen gesunden Umgang damit bei. Andernfalls machen sie sich am Ende eher noch mehr Gedanken.

Eine mögliche Kinderfrage wäre z.B.: "Sterben beim Krieg Menschen?"
Mögliche Antwort: "Krieg bedeutet, dass Menschen in Gefahr sind und sogar sterben können. Deshalb versuchen viele auch aus diesen Gebieten zu fliehen. Hier bei uns in Deutschland ist aber kein Krieg. Wir sind zuhause sicher."

Fragt immer wieder nach, ob eure Kinder verstehen, was ihr ihnen sagt. Akzeptiert auch, wenn sie nicht mehr wissen wollen und sich gerade lieber anderen Themen widmen möchten.

Sagt ruhig, wenn das Thema auch für euch kompliziert ist und ihr nicht alles dazu versteht. So können eure Kinder z.B. auch besser verstehen, warum ihr vielleicht mit anderen so viel darüber redet oder viele Nachrichten dazu schaut.

Die meisten Kinder, die in Deutschland aufgewachsen sind, haben keinen Bezug zum Krieg. Trotzdem bauen sie sich ohne Erklärungen ihre eigene Fantasiewelt dazu auf und bekommen so vielleicht gerade Angst. Sie haben das Gefühl, Krieg und Tod kommen auch zu ihnen nach Hause.

Zeigt euren Kindern die Verhältnisse auf. Auf einer Weltkarte könnt ihr ihnen zeigen, wo die Ukraine liegt und wo Deutschland liegt. Ihr könnt ihnen z.B. auch erklären, dass Deutschland zu einem Bündnis gehört, in dem sich sehr viele Länder gegenseitig beschützen.

logo!, Frag Finn!, Blinde Kuh – es gibt zahlreiche Seiten, die eure Kinder altersgerecht zu komplizierten Themen wie dem Ukraine-Krieg informieren. Mit extra Kinderseiten und Videos bieten diese Plattformen auch auf Social Media Möglichkeiten, sich zu informieren.

Helft euren Kindern beim Umgang mit Medien. Sprecht mit ihnen darüber, was gute Quellen sind.

Macht euch und euren Kindern klar, dass es sich hierbei um eine Ausnahmesituation handelt. Nicht alles ist schlecht auf der Welt. Nachrichten berichten häufig über schlimme Ereignisse auf der Welt. Aber es gibt auch gute Meldungen. Erzählt euch gegenseitig etwas, das gut ist oder schaut mit euren Kindern auf das Jahr und all die schönen Dinge, die noch passieren werden (Geburtstag, Urlaub usw.).

Tipp: Manchmal tut es auch Erwachsenen gut, mal alles auszuschalten (inklusive Handy) und sich auf etwas ganz alltägliches zu konzentrieren: Essen machen, ein Spiel spielen, eine Geschichte vorlesen.

Wichtig beim Umgang mit dem Thema Krieg ist außerdem die Unterscheidung zwischen jüngeren und älteren Kindern.

Das Alter und der Entwicklungsstand der Kinder spielt bei Gesprächen dazu eine wichtige Rolle. Es gilt auch: jedes Kind ist anders. Manche Kinder wachsen behütet und ohne jedwede Kriegserfahrung auf. Wenn diese Kinder das Thema Krieg nicht von selbst ansprechen, sollten Eltern sie nicht damit konfrontieren. Andere Kinder, die aus Krisengebieten geflohen sind oder Verwandte dort haben, haben andere Bedürfnisse und andere Gedanken dazu.

Gespräche mit jüngeren Kindern müssen behutsamer und spielerischer geführt werden. Themen wie Krieg, Konflikt und Tod sind für sie noch nicht so greifbar wie für Jugendliche. Wenn jüngere Kinder mit der Thematik schon etwas anfangen können, weil sie im Radio, bei Freunden oder im Kindergarten etwas gehört haben, sollten Eltern dies aber nicht ignorieren. Ansonsten können Eltern versuchen, Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen und das Nachrichtenschauen auf die Zeit verschieben, wenn die Kinder in der Kita sind.

"Es wird Kinder geben, die da noch sehr viel Redebedarf haben und auch Schutz brauchen und Unterstützung, auch bei der Einordnung. Und es wird Kinder geben, die vielleicht sagen, ach mama, ich möchte da gar nicht darüber reden [...] Oder aber, die sich damit nicht beschäftigen wollen und auf andere Weise signalisieren, dass das jetzt kein Thema ist. Wir müssen gucken, was brauchen unsere Kinder und das wird nicht überall gleich sein." [Psychologin Elisabeth Rauffauff im Interview mit dem BR]

Wie kann ich meinem Kind Ängste nehmen und Sicherheit geben? nach oben

In erster Linie ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die eigenen Sorgen und Ängste nicht auf die Kinder zu übertragen. Jedes Kind reagiert individuell und stellt andere Fragen. Als Eltern könnt ihr sachlich mit euren Kindern über das Geschehene sprechen und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.

KiKA bietet Informationsangebote und Nachrichten wie logo!, die speziell für Kinder gemacht sind. Schaut euch Nachrichten immer gemeinsam an und sprecht darüber, damit eure Kinder belastende Themen nicht allein bewältigen müssen.

Interview mit KUMMERKASTEN-Beraterin Sabine Marx

Sabine Marx: "Eltern sollten sehr aufmerksam sein. Es gibt Kinder, die äußern ihre Ängste sehr offen, da sollte man gesprächsbereit sein und ruhig auf die Fragen eingehen. Es gibt aber auch Kinder, die sich eher zurückziehen und da nicht so offen sind. Da ist es gut, wenn die Eltern auch wirklich hingucken, das Kind beobachten und dann vielleicht auch ansprechen. So kann man sagen: Hey, was ist denn los? Was geht dir durch den Kopf? Was beschäftigt dich?"

Sabine Marx: "Bilder haben eine große Macht, sie erreichen uns sofort. Nicht nur im Kopf, sondern wirklich auch im Herzen. Sie lösen große Gefühle aus oder können große Gefühle auslösen. Und da sollten Eltern schon drauf achten oder auch gucken, welche Bilder die Kinder zu sehen bekommen. Nachrichten sollte man vielleicht gemeinsam anschauen.

Gerade wenn Kinder älter sind kann es natürlich sein, dass sie selbst im Internet surfen und dann irgendwo landen und grausame Bilder sehen. Das lässt sich heutzutage leider auch nicht mehr komplett verhindern. Wir können die Kids nicht einsperren oder davon komplett fernhalten. Da ist es wichtig, das auch im Auge zu haben und auch dort gilt: Aufgreifen, ansprechen und sagen: Hey, hast du vielleicht irgendwas gesehen, was dir nicht mehr aus dem Kopf geht und was dich beunruhigt oder was Ängste auslöst?"

Sabine Marx: "Wenn sie authentisch sind und dann auch erklären, was sie warum fühlen, dann ist das nicht schädlich. Weil dann zeigen sie sich menschlich und das Kind kann das dann nachvollziehen und fühlt sich verbunden mit den Eltern.

Wenn das Ganze aber überdramatisiert wird, oder wenn man wirklich die eigene Unsicherheit auf das Kind überträgt, dann ist es für die Kinder eher schädlich. Weil die sichere Bank, also das, was den Kindern Sicherheit gibt, sind die Eltern, das zu Hause und dass da geschützter Rahmen ist.

Es ist wirklich eine Herausforderung für die Eltern da auch für sich zu schauen: „Mit wem kann ich meine wirklich ganz massiven Ängste besprechen?“, um dann ein Stück weit auch für die Kinder eine Stütze sein zu können."

Unsere Expertinnen

Sophia Hoffmann | Rechte: Sophia Hoffmann

Professorin

Sophia Hoffmann

Sophia Hoffmann ist Professorin für Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universität Erfurt. Für "KiKA Aktuell" beantwortet sie die Fragen von Kindern zum Krieg in der Ukraine.

Sabine Marx | Rechte: KiKA

Beraterin

Sabine Marx

Sabine Marx ist die Beraterin des KUMMERKASTEN-Teams. Sie ist Leiterin der Diakonie eMail-Beratung für Kinder und Jugendliche und gibt auf den Erwachsenenseiten regelmäßig Tipps zu den Themen.

Porträt von Elisabeth Raffauf | Rechte: Elisabeth Raffauf

Psychologin

Elisabeth Raffauf

Elisabeth Raffauf ist Diplom-Psychologin. Sie hat 20 Jahre lang in einer Erziehungsberatungsstelle mit Eltern, Kinder und Jugendlichen gearbeitet.

Stand: 30.06.2022, 09:50 Uhr

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