Zusammenhalt in schwierigen Zeiten

#Zeitfür... Zuversicht

Nach vielen anstrengenden Monaten blicken wir aktuell auf eine sinkende Corona-Zahlen, Fortschritt beim Impfen und viele Öffnungen. Wie können wir auch weiterhin den Alltag mit der Familie in dieser besonderen Situation verantwortungsvoll gestalten? Wir geben 5 Tipps. Und was sollten wir tun, wenn es uns trotzdem nicht gut geht? "KUMMERKASTEN"-Beraterin Sabine Marx gibt Antworten.

Zuversicht | Rechte: PantherMedia/NataliaD

Wie Kinder die letzten Monate erlebt haben nach oben

Respekt für meine Rechte! | Rechte: KiKA/Mira Mikosch
Respekt für meine Rechte!

KiKA-Studie zum Thema Gesundheit

Vom 26. Juni 2020 bis 12. Juli 2020 wurden 843 Schüler*innen im Alter von 6 bis 13 Jahren zum Thema Gesundheit befragt. Die Befragung fand online statt. Die Kinder konnten dabei ihre Meinung zu Ernährung, Bewegung, Sport, Nachhaltigkeit und Gesundheit in Corona-Zeiten äußern.

Dass das Coronavirus den Alltag und das Leben einer gesamten Gesellschaft verändert, nehmen auch Kinder wahr. Auch weil sie selbst davon betroffen sind! Schulen und Kindergärten waren lange Zeit geschlossen, Ausflüge ins Schwimmbad, das Toben auf dem Spielplatz oder Kicken auf dem Bolzplatz waren nicht möglich. Für Kinder war all das eine neue Erfahrung. Das zeigt auch eine KiKA-Studie, die im Rahmen des Themenschwerpunktes "Respekt für meine Rechte! Gesund leben!" durchgeführt wurde.

In der Studie wurden Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren unter anderem gefragt, wie sie die letzten Monate erlebt haben. 77 Prozent der befragten Schüler*innen empfand die Einschränkungen als bedrückend. Sie vermissten ihre Freund*innen (77 Prozent), Besuche auf Spielplätze (58 Prozent), alltägliche Hobbys (45 Prozent) und ihre Großeltern (54 Prozent). Auf die Frage, wie es ihnen in den letzten Monaten ging, antworten 51 Prozent: "Sehr gut" oder "eher gut".

Mit Zuversicht durch die Pandemie – Ein Interview mit Sabine Marx nach oben

Portrait Sabine Marx | Rechte: KiKA/Carlo Bansini
Sabine Marx Für die fachliche Betreuung der Probleme und Fragen, die über den Kummerkasten eingesendet werden, ist die Beraterin der Diakonie Sabine Marx zuständig.

Vorgestellt: Sabine Marx

Sabine Marx ist Beraterin des "KUMMERKASTEN"-Teams. Sie ist Leiterin der Diakonie Onlineberatung für Kinder und Jugendliche und gibt auf den Erwachsenenseiten regelmäßig Tipps zu den Themen Familie, Freunde, Schule, Sexualität, Mobbing und Trauer.

Wie erklären Eltern ihren Kindern am besten, wieso man aktuell auf vieles verzichten muss?

Sabine Marx: "Es gibt Zeiten, in denen im Leben alles super gut läuft. Aber es kann auch immer wieder Zeiten geben, in denen es schwer ist, wir vor Probleme und Herausforderungen gestellt werden. Das ist nicht schön, aber wir Menschen sind in der Lage, mit Schwierigkeiten umzugehen. Am besten gelingt das, wenn wir zusammenhalten, uns gegenseitig unterstützen und aufeinander Rücksicht nehmen. So ist es auch jetzt in der Corona-Krise: Das Virus ist ansteckend und kann durch Kontakt von einem Menschen auf den anderen übertragen werden. Deshalb ist es wichtig, im Moment nicht so viele Kontakte zu haben und für eine bestimmte Zeit auf manche Dinge zu verzichten. Das wird jedoch nicht immer so bleiben, sondern sich auch wieder ändern."

"Wir Menschen sind in der Lage, mit Schwierigkeiten umzugehen. Am besten gelingt das, wenn wir zusammenhalten, uns gegenseitig unterstützen und aufeinander Rücksicht nehmen."

Sabine Marx

Ist es normal, dass einem die aktuelle Situation zusetzt?

Sabine Marx: "In schweren Situationen und Krisen ist es eine normale Reaktion, sich schlecht zu fühlen, sich Sorgen zu machen oder auch Angst zu empfinden. Damit offen umzugehen, kann helfen zu erkennen: Ich bin nicht allein, anderen geht es genauso oder ähnlich. Das kann sich erleichternd anfühlen."

Was kann ich tun, wenn es mir schlecht geht?

Sabine Marx: "Nach einem Gespräch mit einem lieben Menschen fühlen wir uns meistens ein bisschen erleichtert und befreit und in den grauen Himmel mischt sich wieder etwas Blau. Manchen tut es auch gut, aufzuschreiben, was einen bedrückt und durch den Kopf geht, zum Beispiel in ein Tagebuch. Und dann hat jede und jeder auch noch ganz individuelle Strategien, so z. B. sich mit einem guten Buch oder schönen Film ablenken, Musik hören, tanzen, sich bewegen, Sport machen oder faulenzen, miteinander spielen, sich ganz bewusst etwas Gutes tun, wie z. B. eine Kleinigkeit naschen. Einfach das tun, wonach Ihnen und Ihren Kindern gerade ist. Wenn gar nichts hilft und das schlechte Gefühl sich durch nichts lindern lässt, können Sie sich auch professionelle Hilfe suchen."

Was können Eltern tun, wenn sie sehen, dass es ihren Kindern aktuell nicht gutgeht?

Sabine Marx: "Hilfreich kann sein, dem Kind zu sagen, dass wir alle gerade eine besondere und schwere Zeit erleben und es in Ordnung ist, dass es uns damit nicht gut geht oder wir Angst empfinden. Fragen Sie nach, wie Ihr Kind sich zurzeit fühlt, welche Gedanken es sich macht, was es beschäftigt oder bedrückt. Zu spüren, dass Gefühle ernst genommen werden, tut gut und wirkt entlastend. Es ist aber auch okay, wenn Ihr Kind nicht reden möchte. Zwingen Sie es zu nichts. Sichern Sie ihm zu, dass es jederzeit zu Ihnen kommen kann."

Wie können wir es schaffen, in der aktuellen Situation zuversichtlich zu bleiben?

"Auch in schweren, belastenden Situationen haben wir die Wahl, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Sie können sich gegenseitig fragen und erzählen: Was habe ich am Tag oder in der Woche Schönes erlebt? Was hat mir gutgetan? Wofür bin ich dankbar?"

Sabine Marx

Sabine Marx: "Auch in schweren, belastenden Situationen haben wir die Wahl, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Wir können uns in das Schwere hineinsteigern, wir können uns aber immer wieder auch auf das konzentrieren, was wir – trotz Corona-Krise – Gutes erfahren und wofür wir dankbar sein können. Vielleicht tauschen Sie sich abends oder am Wochenende in der Familie aus. Sie können sich gegenseitig fragen und erzählen: Was habe ich am Tag oder in der Woche Schönes erlebt? Was hat mir gutgetan? Wofür bin ich dankbar? Eine gute Idee kann sein, auch mal keine Nachrichten zu schauen. Denken Sie stattdessen gemeinsam mit Ihren Kindern an fröhliche Dinge und Erlebnisse."

5 Tipps zum Kraft tanken nach oben

Aktuell fällt es dem ein oder anderen schwer positiv zu bleiben. Gerade dann hilft es, Dinge aufzuzählen, für die man dankbar sein kann. Als Familie können Sie daraus auch ein neues Abendritual machen. Nehmen Sie sich gemeinsam mit ihren Kindern vorm Schlafengehen Zeit und erzählen Sie sich gegenseitig worüber Sie am Tag gelacht haben, wofür Sie dankbar sind oder was Ihnen Spaß gemacht hat.

Kleiner Tipp: Die Dinge wofür sie dankbar sein können, können auch Kleinigkeiten sein. Zum Beispiel der Kaffee am Morgen oder das Bild, das Ihnen Ihr Kind gemalt hat.

Wenn man den ganzen Tag zuhause war, kann ein Spaziergang an der frischen Luft wahre Wunder bewirken. Spazierengehen tut nicht nur dem Körper gut, sondern baut auch Stress ab! Sie können unterschiedliche Routen wählen. So sehen Sie und Ihre Kinder jeden Tag etwas Anderes. Ein Abstecher in den Wald wird für Kinder oft zur großen Entdeckungstour.

Wenn es draußen regnet, schneit oder stürmt können Sie auch das Kinder- oder Wohnzimmer in ein Fitnessstudio verwandeln. Machen Sie doch ein kleines Workout mit unseren Serien "TanzAlarm", "Fit mit Felix" oder den Sportmacher.

Das Wetter ist schlecht? Oder Sie haben einfach keine Lust oder Möglichkeit rauszugehen? Dann werden Sie mit Ihren Kindern drinnen kreativ. Egal ob Backen, Malen oder Basteln - bei KiKA finden Sie jede Menge Ideen, mit denen die Zeit zuhause wie im Flug vergeht. Gleichzeitig fördern Sie so die Kreativität, Feinmotorik und das Konzentrationsvermögen Ihrer Kinder.

Auch wenn Sie gerade nicht jedes Familienmitglied oder jeden Ihrer Freunde persönlich sehen können, müssen sie nicht darauf verzichten! Verabreden Sie sich zu einem virtuellen Kaffeetrinken oder einer virtuellen Spielerunde. Dabei können Sie sich auch über Ihren Alltag und Probleme austauschen. Durch den Austausch mit Familie und Freunden fühlt man sich schnell besser und nicht mehr so alleine.

Mit Kindern über das Coronavirus sprechen – Ein Interview mit Elisabeth Raffauf nach oben

Die Kinder in Deutschland erleben seit fast einem Jahr eine absolut außergewöhnliche Situation: Maske tragen, Abstand halten, zuhause bleiben – die Pandemie ist Teil ihres Lebens geworden. Kinder gehen sehr unterschiedlich mit der Situation um. Manche werden ängstlich, andere stellen viele Fragen. Wie kann man als Eltern damit umgehen? Darüber haben wir mit der Psychologin Elisabeth Raffauf gesprochen.

Porträt von Elisabeth Raffauf | Rechte: Elisabeth Raffauf
Elisabeth Raffauf Elisabeth Raffauf arbeitet als Kinderpsychologin.

Unsere Expertin

Elisabeth Raffauf ist Diplom-Psychologin. Sie war über zwanzig Jahre in einer Erziehungsberatungsstelle tätig. Heute arbeitet sie in Köln in freier Praxis und als Team-Supervisorin. Elisabeth Raffauf hält Vorträge und leitet Fortbildungen für Fachkräfte zu den Themen Pubertät und Sexualerziehung. Als Autorin und Expertin steht sie regelmäßig am Mikrofon für die Kindernachrichtensendung „logo!“ und „Herzfunk“, eine Aufklärungsreihe im KiRaKa, dem Kinderradio des WDR.

Elisabeth Raffauf: "Indem wir den Kindern etwas dazu erklären. Was wissen wir? Und: Welche Gefühle haben wir dazu? Welche Gefühle hast du dazu? Die Kinder spüren ja auch die Aufregung, die herrscht, also ist es gut auch über die dazugehörigen Gefühle zu reden. Denn sie sind sowieso im Raum."

Elisabeth Raffauf: "Wir müssen nicht von uns aus den Kindern jede neue Meldung, die wir hören weitergeben. Aber natürlich, wenn die Kinder fragen haben oder das Thema auf dem Tisch ist, ist es gut darüber zu sprechen."

Elisabeth Raffauf: "Das Virus hat den Namen Corona und das heißt Krone oder Kranz. Das hat damit zu tun, dass es aussieht, wie eine Art Kranz. Dieses Virus  macht krank. Ähnlich einer Grippe. Also die Menschen haben Husten, Schnupfen, Halskratzen, Fieber oder Durchfall. Manche bekommen auch eine Lungenentzündung. Wenn die Menschen rechtzeitig behandelt werden, werden sie auch wieder gesund. – Wir müssen uns zur Zeit alle gut schützen, damit nicht so viele angesteckt werden, dann alle auf einmal können ja nicht von Ärzten behandelt werden."

Elisabeth Raffauf: "Deine Angst ist sehr verständlich. Andere Menschen sorgen sich auch. Sie sorgen sich vor dem Unbekannten. Man weiß noch nicht genau, wie der Verlauf sein wird. Deshalb werden zur Zeit viele außergewöhnliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Aus Vorsicht und aus Schutz."

Elisabeth Raffauf: "Wir können ein paar Dinge beachten und das tun wir auch. Deshalb entscheidet auch die Politik, dass z.B. Schulen geschlossen werden und Fußballspiele abgesagt werden. Damit man sich nicht weiter gegenseitig ansteckt. Wir können ganz konkret uns gut die Hände waschen, wenn wir nach Hause kommen, 30 Sekunden mit Seife, besonders vor dem Essen. Und wir sollten uns nicht mit den Händen ins Gesicht fassen. Das ist gar nicht so einfach zu beachten, weil viele von uns machen es automatisch, aber es ist wichtig. Wenn wir nießen oder husten, sollten wir das in die Armbeuge tun und wir sollten anderen Menschen zur Zeit körperlich nicht so nahe kommen.
Das wirkt vielleicht unhöflich, aber wir können uns ausdenken, was wir sonst machen können, wenn wir andere nicht umarmen. In Italien z.B. berühren die Menschen sich mit den Fußspitzen oder man kann sich Luftküsse zuwerfen oder Schilder machen: „Wir geben euch zwar nicht die Hand, aber wir haben euch im Herzen“. Vielleicht habt ihr selbst noch eine Idee, was man stattdessen machen könnte."

Elisabeth Raffauf: "Am besten versuchen möglichst normal weiterzuleben, die Vorsichtsmaßnahmen beachten. Aber das Thema ist ja sowieso da, auch bei den Kindern. Wenn sie sprechen möchten, dann sprechen und die Angst auf mehrere Schultern verteilen."

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Stand: 16.06.2021, 11:33 Uhr

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