Begleitmaterial zur neuen Folge

"Triff Anne Frank"

Für eine neue Folge des Geschichtsformats "Triff..." reist Reporterin Clarissa in das Jahr 1942 und lernt die Autorin des wohl berühmtesten Tagebuchs der Welt kennen: Anne Frank. Wie sich ihre besten Freundinnen an Anne Frank erinnern, warum ihr Tagebuch noch heute bedeutsam ist und wie ihr mit euren Kindern über den Holocaust sprechen könnt, erfahrt ihr hier.

"Triff..." - das Geschichtsformat nach oben

Karl der Große - warum heißt er eigentlich so? Das will Clarissa herausfinden und reist mehr als 1200 Jahre in die Zeit zurück, um einen der mächtigsten Herrscher des Mittelalters zu trreffen. | Rechte: KiKA/Sabine Finger
Karl der Große - warum heißt er eigentlich so? Das will Clarissa herausfinden und reist mehr als 1200 Jahre in die Zeit zurück, um einen der mächtigsten Herrscher des Mittelalters zu trreffen.

Alle Folgen und viele Kurzclips, in denen Clarissa unter anderem berühmte Wissenschaftler*innen und Komponist*innen trifft, findet ihr hier.

Reporterin Clarissa reist mit ihrer Zeitmaschine im Format "Triff..." um die Welt und durch die Zeit. Dabei begegnet sie in verschiedenen Epochen große Persönlichkeiten der Weltgeschichte und findet in der Gegenwart Spuren ihres Wirkens. In der neuen "Triff..."-Folge reist sie zu Anne Frank in das Jahr 1942 und erlebt mit, wie Anne das später berühmt werdende Tagebuch zu ihrem 13. Geburtstag geschenkt bekommt.

Außerdem verfolgt sie das Untertauchen der Familie, das Leben im Hinterhausversteck und die Rettung des Tagebuchs nach der Deportation. Außerdem trifft sie Annes beste Freundin, Jacqueline van Maarsen, zu einem Interview. Das neue "Triff..."-Portrait ist bei KiKA, auf kika.de und im KiKA-Player seit dem 12. Juni 2022, dem Geburtstag von Anne Frank, zu sehen.

Versteckt im Hinterhaus: Die Geschichte der Familie Frank nach oben

Als Tochter jüdischer Eltern kommt Anne Frank 1929 in Frankfurt zur Welt. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 beschließt die Familie Frank nach Amsterdam auszuwandern. Dort können Anne und ihre Schwester Margot zunächst unbeschwerte Jahre erleben, bis die Nationalsozialisten 1940 die Niederlande angreifen.

Im Juli 1942 werden die ersten Familien aufgefordert, sich in so genannte "Arbeitslager" zu begeben. Um nicht deportiert zu werden, versteckt sich Familie Frank im Hinterhaus des ehemaligen Geschäfts von Annes Vater. Mit Hilfe der Angestellten des Geschäfts gelingt es ihnen, gemeinsam mit der jüdischen Familie van Pels und dem jüdischen Zahnarzt Fritz Pfeffer zwei Jahre unentdeckt zu bleiben. Anne, zu dieser Zeit 13 Jahre alt, hält all ihre Gedanken und Erlebnisse im Hinterhaus in ihrem Tagebuch fest.

Am 4. August 1944 stürmt die Polizei das Hinterhaus, verhaftet Familie Frank und die anderen Untergetauchten und sie werden deportiert. Die Familie wird zuerst nach Auschwitz gebracht und dort getrennt. Anne und Margot werden in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht und sterben dort Anfang März 1945 krank und entkräftet. Ihr Vater, Otto Frank, ist der einzige aus dem Hinterhaus, der den Holocaust überlebt. Er veröffentlicht "Das Tagebuch der Anne Frank" und erfüllt damit den Wunsch seiner Tochter.

Anne Frank: Warum ihr Tagebuch bis heute bedeutsam ist nach oben

"Es ist wichtig, dass Anne so berühmt geworden ist, weil so jeder an den Holocaust erinnert wird."

Jacqueline van Maarsen

Heute tragen knapp 90 Schulen den Namen der Anne Frank und bereits seit Generationen lernen Schüler*innen durch das authentische Dokument ihres Tagebuchs die Realität von nationalsozialistischer Terrorherrschaft und Judenverfolgung kennen. Es erinnert aber nicht nur an ihre Geschichte, sondern regt auch über die heutige Zeit zum Nachdenken an. Es hilft, sich vieler Dinge bewusst zu werden und ihre Bedeutung zu erkennen.

Anne Frank verdeutlicht im Rahmen des geschichtlichen Kontext, wohin Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung in extremer Form, auch heute noch, führen können.

Annes beste Freundinnen: Jacqueline van Maarsen und Hannah Pick-Goslar erinnern sich nach oben

Für die Produktion von "Triff Anne Frank“ hatte das Team zwei besonders wertvolle Begegnungen mit Zeitzeuginnen: den besten Freundinnen von Anne Frank. In Amsterdam trifft Clarissa die 93-jährige Jacqueline van Maarsen. Ergänzend zur Sendung wurde außerdem ein Interview mit der heute in Jerusalem lebenden, 93-jährigen Hannah Pick-Goslar aufgezeichnet.

Hannah Pick-Goslar
Alter: 93 Jahre (geb. 12. November 1928)
Erste Begegnung mit Anne: Sie gehen in Amsterdam in den selben Kindergarten und später in dieselbe Schule.
Beziehung zu Anne: Sie wohnen neun Jahre nebeneinander und sind beste Freundinnen. Anne ist eine ihrer ersten Freundinnen, die verschwindet. Hannah erzählt man, sie sei in die Schweiz geflohen.
Jacqueline van Maarsen
Alter: 93 Jahre (geb. 30. Januar 1929)
Erste Begegnung mit Anne: Sie lernen sich 1941 auf dem jüdischen Gymnasium in Amsterdam kennen.
Beziehung zu Anne: Ein Jahr lang sind sie beste Freundinnen, bis Anne verschwindet.

Interview mit Professor Dr. Sascha Feuchert nach oben

„Triff Anne Frank“ entstand in enger Zusammenarbeit mit Professor Dr. Sascha Feuchert von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen, der für das Drehbuch die Sachtexte verfasste. Im Interview gibt Prof. Feuchert Tipps, die euch bei Gesprächen mit euren Kindern über Anne Frank und den Holocaust unterstützen sollen.

Anne Franks Schicksal ist in vielerlei Hinsicht typisch für das Schicksal vieler Millionen Opfern der Nationalsozialisten. Sie erlebt viele Dinge, die sehr, sehr viele andere Menschen, die von den Nazis verfolgt wurden, auch erfahren haben. Durch ihr Tagebuch bekommen wir einen sehr tiefen Einblick in genau diese Lebensgeschichte. Wir erfahren, was ihr und ihrer Familie und den anderen Versteckten passiert und widerfährt als sie sich vor den Nationalsozialisten in Amsterdam verstecken. Wir bekommen mit, wie dieses Mädchen, das langsam zur jungen Frau heranreift, mit ihren Ängsten und Hoffnungen umgeht, und wie schwer es ihr fällt, zwei Jahre untertauchen zu müssen. Durch das Tagebuch ist Anne Frank heute zur Identifikationsfigur auf der ganzen Welt geworden. In vielerlei Hinsicht steht ihre Geschichte exemplarisch für die Geschichte des Holocaust.

Ich glaube, mit der Geschichte von Anne Frank kann man sich schon relativ früh beschäftigen, weil sie Kindern auch ein hohes Maß an Identifikation ermöglicht. Kinder können sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, wie es sich anfühlen muss, wenn sich Menschen verstecken müssen, wenn sie das Haus nicht mehr verlassen können, wenn sie abgeschnitten sind von der Welt um sie herum. Insofern können auch schon ältere Grundschülerinnen und Grundschüler anfangen, sich mit der Geschichte von Anne Frank zu beschäftigen, das Programm „Triff Anne Frank“ ist ein dafür gut geeigneter Weg. Das eigentliche Tagebuch empfehle ich, ab einem Alter von etwa zwölf Jahren zu lesen. Natürlich ist dies auch später möglich, es gibt ja nach oben keine Begrenzung. Das Tagebuch ist ein so hoch literarischer, toller Text, dass natürlich auch Erwachsene großen Gewinn daraus ziehen können.

Anne Franks Tagebuch ist ein einzigartiges Dokument, das von einem hochbegabten Mädchen verfasst wurde. Sie hat schon in einem sehr frühen Alter höchsten literarischen Ansprüchen genügt und lässt uns teilhaben an ihrer Entwicklung von einem Mädchen zur jungen Frau. Sie lässt uns in ihre Seele blicken und legt Konflikte offen. Sie zeigt auch, dass sie ein widerspenstiger Teenager ist, dass sie auch ein normales Kind ist, das aber unter schrecklichen Umständen leben muss und auf das, was ihr da widerfährt, nicht vorbereitet war. Insofern ist dieses Tagebuch wirklich einzigartig und hat zu Recht diese enorme Bedeutung in der Welt.

Wenn man mit Kindern über den Holocaust spricht, dann sollte man vor allen Dingen Zutrauen haben. Zutrauen zu sich selbst, aber auch zum Kind. Man sollte das Fragebedürfnis des Kindes unbedingt ernst nehmen. Also nicht davor zurückschrecken Fragen zu beantworten, weil man Sorge hat, das Kind zu ängstigen oder zu traumatisieren. Das soll und darf natürlich nicht geschehen. Aber es ist dennoch wichtig, dass wir den Kindern die Möglichkeit geben, alles zu fragen, was sie fragen wollen. Und dass wir ihnen dann auch ehrliche Antworten geben. Sicherlich muss man nicht in allen Details erzählen, was den Opfern der Nationalsozialisten widerfahren ist, aber man sollte auch nichts grundlegend beschönigen, das ist ganz wichtig. Hilfen für die kindgerechte Beantwortung der Fragen findet man auch bei Planet Wissen unter diesem Link.

Das besondere an diesen Zeitzeug:innengesprächen ist natürlich, dass hier Menschen berichten, die den Holocaust erlebt haben. Die auch mit ihrer Person und mit ihren Körpern bezeugen, dass das alles stattgefunden hat. Insofern ist das Wichtigste, dass man ihnen gut zuhört, dass man ihnen den Raum gibt, ihre Geschichte zu erzählen. Wen man die Möglichkeit hat, sollte man auch Fragen stellen, Interesse zeigen an ihrer Geschichte, vielleicht auch später nochmal nachrecherchieren. Viele Zeitzeug:innen haben ihre Geschichte auch aufgeschrieben, so dass man sie noch einmal nachlesen kann. Wichtig ist mir, dass man diese Geschichten individuell wahrnimmt, dass man versteht, dass der Holocaust kein abstraktes Geschehen war. Man muss verstehen, dass das sechs Millionen Individuen und Einzelschicksale waren. Und durch die Zeitzeug:innen-Interviews bekommen wir davon einen sehr, sehr guten Eindruck.

Wir sind die Nachfahren der Täter:innen-Gesellschaft. Insofern haben wir eine besondere Verantwortung. Es geht dabei nicht um Schuld. Die heutigen Generationen tragen selbstverständlich keine Schuld an dem, was damals passiert ist, aber wir haben als Gesellschaft, als deutsche Gesellschaft, dennoch eine besondere Verantwortung dafür, dass die Ereignisse erinnert und weitergegeben werden, dass sie nicht vergessen werden. Wir haben auch eine besondere Verantwortung dafür, dass sie sich nicht wiederholen.

Weiterführende Informationen und Lernmaterial zu Anne Frank nach oben

Stand: 30.06.2022, 10:29 Uhr