"Voller Neugier begegnen die 'Teletubbies' allem Neuen"

"Teletubbies"

"Voller Neugier begegnen die 'Teletubbies' allem Neuen"

Nicole Keeb (ZDF) im Interview

Nicole Keeb (ZDF) betreut das Format "Teletubbies". Die Redakteurin hat sich von der guten Laune und positiven Grundstimmung der Serie anstecken lassen.

Vor 20 Jahren löste die Fernsehserie einige Kontroversen aus. Was hat sich seitdem in der Kinderfernsehlandschaft geändert?

Nicole Keeb: Als die Serie "Teletubbies" vor 20 Jahren ins Fernsehen kam, gab es nicht so viele TV-Angebote für Kinder wie heute. Es gab keine Streaming-Dienste, kein Facebook oder andere Social Network-Angebote. Die Kinderprogramm-Veranstalter boten ihre Programme linear an. Das Angebot war auch damals schon umfangreich, aber nicht so vielfältig wie heute und der TV-Markt war leichter überschaubar.

Die "Teletubbies" waren das erste Programm, das sich an Kleinstkinder richtete und fiel deshalb in seiner ganz speziellen Machart und Publikumsansprache besonders auf. Es gab viele Millionen Fans weltweit, aber eben auch kritische Stimmen. Heute existieren einige Serien , die sich ebenfalls an jüngere Kinder richten und diese gezielt ansprechen, zum Beispiel " In the Night Garden" oder "Twirly Woos" (beide bei der BBC ausgestrahlt). Die "Teletubbies" befinden sich also mittlerweile in sehr guter Gesellschaft.

Die Serie wurde inzwischen in vielen Ländern der Welt ausgestrahlt. Warum sind die "Teletubbies" weltweit so erfolgreich geworden?

Nicole Keeb: Die "Teletubbies" werden auch nach 20 Jahren Bildschirmpräsenz nicht langweilig. Im Gegenteil treffen sie offensichtlich nach wie vor einen Nerv bei Kindern und Eltern. Das Geheimnis des Erfolgs? Die "Teletubbies" amüsieren sich! Phänomenal, wie sie sich über Kleinigkeiten schlapplachen können!

Voller Neugier begegnen sie allem Neuen, wissen aber auch den Alltag sehr zu schätzen. Sie wiederholen fröhlich alt Bekanntes  („Winke, Winke“), und mögen auch die 100. Fahrt mit dem Tubby-Lift so gern wie die erste. Die "Teletubbies" mögen ihre Welt, aber vor allem mögen sie sich gegenseitig sehr, sehr gern! Dies ist offensichtlich etwas, was Kinder von Null bis Drei und ihre Eltern zu schätzen wissen.     

Wurde das Konzept für die neuen Folgen verändert?

Nicole Keeb: Das Konzept wurde im Grundsatz nicht verändert. Die Programmmacher haben die "Teletubbies" sehr vorsichtig modernisiert. Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po haben jetzt 16:9-Touchscreen-Bildschirme, auf welchen die Bauchbildfilme gezeigt werden.

Die Realfilme spielen nach wie vor eine entscheidende Rolle für die Serie. Echte Kinder erzählen kurze Geschichten aus ihrer Perspektive. Das, was die Kinder erleben, wie zum Beispiel im Matsch spielen, ein Bild malen, im Fahrstuhl hoch- und runterfahren korrespondiert nach wie vor mit dem Thema der jeweiligen "Teletubbies"-Episode. In der Wiederholung allerdings wird der Einspieler gekürzt und gestrafft. 

Eine weitere Neuerfindung sind die acht winzigen CGI-animierten Tiddlytubbies, die Abenteuer im Miniaturformat erleben. Sie werden von Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po regelmäßig besucht und voller Begeisterung und mit großer Fürsorge in ihre Bettchen gebracht

Was überzeugt Sie persönlich am Konzept der "Teletubbies"?

Nicole Keeb: Die Macher haben die junge Zielgruppe (sechs Monate bis drei Jahre alte Kinder) genau beobachtet. Die Wiederholung von Sätzen oder Tätigkeiten, die gemeinsamen und immer positiven Aktionen, das freudige Entdecken der Welt - das alles entspricht dem Entwicklungsstand von Kleinstkindern. Sie können sich mit den "Teletubbies" identifizieren. Wenn die "Teletubbies" tanzen, singen oder zählen, imitieren die Zuschauer Tinky Winky und Co und sind mit ganzem Körpereinsatz dabei. Es geht also bei dieser Serie nicht nur um passives Zuschauen, sondern ganz gezielt um die aktive Teilnahme. Die "Teletubbies" sind empathisch, freundlich, lebensbejahend und vor allem extrem humorvoll. Wer die Chance hat, die "Teletubbies" gemeinsam mit Kindern zu sehen, versteht sofort wie genial das Konzept dieser Serie ist. Danach stellen sich viele Fragen einfach nicht mehr.  

Portrait von Nicole Keeb | Rechte: ZDF/Rico Rossival

Nicole Keeb

Als Leiterin der Stabsstelle Programmeinkauf und Koproduktionen (Hauptredaktion Kinder und Jugend, ZDF) ist Nicole Keeb für Formate wie "H2O- Plötzlich Meerjungfrau", "Mako", "Mia and Me", "Die langen großen Ferien", "Robin Hood", "Peter Pan", "Das Dschungelbuch","Der Grüffelo" uvm. verantwortlich.

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