30 Jahre Wiedervereinigung

Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte

Am 9. November 1989 passiert das was viele für unmöglich gehalten haben: Die DDR öffnet die Grenzen nach Westdeutschland. Es ist der erste Schritt in Richtung Wiedervereinigung. Wie erlebten Kinder die Ereignisse damals? Die KiKA-Koproduktion "Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte" erzählt die Geschichte des Mauerfalls aus Sicht eines zwölfjährigen Mädchens.

Fritzi steht neben dem Hund Sputnik in Leipzig vor einer Menge Demonstranten. | Rechte: KiKA/Balance Film & TrickStudio Lutterbeck

Von 1949 bis 1989 war Deutschland geteilt: In die Bundesrepublik im Westen und die DDR im Osten. Weil viele Menschen die DDR in den ersten Jahren nach ihrer Gründung verließen, wurde der Bau der Berliner Mauer veranlasst. Dadurch sollten die Menschen an der Flucht in den Westen gehindert werden.

Viele Bürger*innen Ostdeutschlands waren aber weiterhin unzufrieden mit dem politischen System der DDR. Einige von ihnen flohen über Tschechien, Ungarn und Österreich in die BRD. Andere fingen an friedlich für eine Veränderung zu demonstrieren. Den sogenannten Montagsdemonstrationen schlossen sich nach und nach mehrere tausend Menschen an.

Der Druck der Öffentlichkeit wurde schließlich so groß, dass die Chefs der DDR am 9. November 1989 die Grenzen zu Westdeutschland öffneten.

Der Animationsfilm „Fritzi – Eine WendeWundeGeschichte“ erzählt von den Ereignissen der Friedlichen Revolution im Jahr 1989 aus der Sicht eines zwölfjährigen Mädchens.

"Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte" - Darum geht es nach oben

Sommer 1989 in Leipzig. Die zwölfjährige Fritzi verspricht ihrer Freundin Sophie auf deren Hund Sputnik aufzupassen. Denn Sophie und ihre Mutter machen Urlaub in Ungarn. Doch als die Schule wieder losgeht und die Ferien vorbei sind, ist Sophie immer noch nicht zurück. Fritzi erfährt, dass sie mit ihrer Mutter in den Westen geflohen ist. Weil Sputnik seine Besitzerin sehr vermisst, beschließt Fritzi, Sophie den Hund zurückzubringen. Gemeinsam mit Bela, einem Schulfreund, macht sich Fritzi auf den Weg zur deutsch-deutschen Grenze und gerät dabei in Lebensgefahr.

Der Film in Bildern

Die Film-Charaktere

Fritzi vor weißem Hintergrund. | Rechte: KiKA/Balance Film & TrickStudio Lutterbeck
Fritzi Das ist Fritzi.

Fritzi ist ein schlaues und neugieriges Mädchen. Sie ist zwölf Jahre alt, lebt in Leipzig und ist gerade in die sechste Klasse gekommen. Gerechtigkeit ist Fritzi sehr wichtig. Sie macht sich ihre eigenen Gedanken und hat keine Angst davor, ihre Meinung zu sagen.

Sophie vor weißem Hintergrund | Rechte: KiKA/Balance Film & TrickStudio Lutterbeck
Sophie Das ist Fritzis beste Freundin Sophie.

Sophie ist Fritzis beste Freundin. Sie ist fröhlich und auch zwölf Jahre alt. Die beiden Mädchen sind unzertrennlich. Auch ihren Hund Sputnik liebt Sophie sehr. Sie weiß nichts von dem Plan ihrer Mutter, in den Westen auszureisen. Sie wäre sonst niemals mitgefahren.

Sputnik vor weißem Hintergrund | Rechte: KiKA/Balance Film & TrickStudio Lutterbeck
Sputnik Das ist Sophies Hund Sputnik. Er begleitet Fritzi durch die Wendezeit.

Sputnik ist ein braun-weißer Terrier und gehört Sophie. Er ist sehr lebhaft und verspielt – ein echtes Energiebündel. Doch seit Sophie mit ihrer Mutter nach Ungarn gefahren ist, ist er oft traurig. Er vermisst sie sehr.

Bela vor weißem Hintergrund | Rechte: KiKA/Balance Film & TrickStudio Lutterbeck
Bela Bela ist Fritzis Schulfreund.

Bela ist neu in Fritzis Klasse. Sein Vater ist in der Kirche und politisch aktiv. Dadurch wird er in der Schule zum Außenseiter. Die Lehrer behandeln ihn oft unfair, was Bela aber kalt lässt. Denn er teilt die Ansichten seines Vaters.

Julia vor weißem Hintergrund. | Rechte: KiKA/Balance Film & TrickStudio Lutterbeck
Julia Das ist Fritzis Mutter Julia.

Julia ist Fritzis Mutter. Sie ist Anfang 30 und eine zupackende Frau. Sie liebt ihre Arbeit als Krankenschwester. Eigentlich wollte sie Medizin studieren, wurde aber in der DDR nicht zugelassen. Wie viele ihrer Freunde sieht sie die DDR durchaus kritisch.

Klaus vor weißem Hintergrund | Rechte: KiKA/Balance Film & TrickStudio Lutterbeck
Klaus Das ist Fritzis Vater Klaus.

Klaus ist Mitte 30 und Fritzis Vater. Er liebt seine Familie über alles und will sie beschützen. Klaus arbeitet als Musiklehrer. Eigentlich wollte er aber in einem großen Orchester spielen. Über die politische Situation versucht er nicht nachzudenken.

Frau Liesegang vor weißem Hintergrund | Rechte: KiKA/Balance Film & TrickStudio Lutterbeck
Frau Liesegang Das ist Fritzis Lehrerin Frau Liesegang.

Frau Liesegang ist etwa 50 Jahre alt und Fritzis neue Klassenlehrerin. Die Ansichten der DDR hat sie tief verinnerlicht. Dass im Land aber viele Ungerechtigkeiten geschehen, würde sie niemals zugeben. Sie hält weiter an den Phrasen der Regierung fest.

Zusammenfassung
  Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte
Filmstart 9. Oktober 2019
Regie Ralf Kukula und Matthias Bruhn
Drehbuch Beate Völcker und Péter Palátsik
Länge 90 Minuten
Altersempfehlung Für Kinder ab acht Jahren.
Kinder sollten den Film gemeinsam mit ihren Eltern gucken.
Festivals und Preise
  • Preis der Deutschen Filmkritik: Bester Kinderfilm
  • Preis des MDR-Rundfunkrats: "Goldener Spatz" für das beste Drehbuch
  • Deutscher Filmpreis (Lola): Nominiert als bester Kinderfilm
  • Deutsche Film- und Medienbewertung (FMB): Siegel-Prädikat "besonders wertvoll"

Ein Blick hinter die Kulissen nach oben

"Wir wollen zeigen, dass es möglich ist Mauern niederzureißen und zwar friedlich" - Interview mit Regisseur Ralf Kukula nach oben

Warum ist es wichtig, dass sich Kinder mit der Geschichte des Mauerfalls auseinandersetzen?

Ralf Kukula: "Das ist unsere eigene Geschichte. Das ist die Geschichte, die ihre eigenen Familien betrifft, also ihre Eltern und Großeltern. Es ist ein Teil der europäischen Geschichte. Also wenn ich mir überlege, was war wichtig im letzten Jahrhundert, dann ist das auf jeden Fall eines der herausragendsten historischen Ereignisse, welches unser Leben heute maßgeblich prägt."

Was sollten Kinder über die DDR, die Mauer und die Wiedervereinigung wissen, bevor sie den Film sehen?

Ralf Kukula: "Es ist grundsätzlich gut, wenn Kinder auf den Film vorbereitet werden. Bei diesem Thema ganz besonders, vor allem bei den Jüngeren.  Ich denke, dass man Acht- bis Zehnjährigen im Vorfeld sagen sollte, um was es in dem Film geht. Das fördert in jedem Fall das Verständnis für den Film. Der Film hat sehr viele Ebenen. Auch Ebenen, die nur die Erwachsenen verstehen. Der Grund hierfür ist, dass die Erwachsenen auch einen Nutzen aus dem Film ziehen sollen."

Aus welcher Perspektive wird der Mauerfall in "Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte" erzählt?

Ralf Kukula: "Grenzöffnung und Mauerfall sind Begriffe, die oft mit Berlin verbunden werden. Da  gibt es diese symbolischen und aufgeladenen Bilder. Fritzi lebt in Leipzig und fährt zur Grenze. Wir bestimmen nicht genau wo diese ist. Sie kann also überall sein. Was wir erzählen ist, wie sich diese undurchläsige Grenze öffnen konnte bzw. geöffnet wurde. Wir zeigen das auf mehreren Ebenen. Die historische Ebene leiten wir mit dem Schabowski Zitat von der legendären Pressekonferenz am 9. November ein. Fast alle Familien rätselten was das heißt. Die einen sagten, dass das nicht wahr sein kann, dass das Geschätz der Politiker sei. Die anderen meinten: 'Die Mauer ist offen, wir fahren jetzt los!' Genauso ist es auch im Film. Fritzi und ihre Familie fahren los und stellen fest: Die Mauer ist wirklich offen und wir können rüber. Auf der Kinderebene ist es so, dass Fritzi eine Erwartungshaltung hat. Sie hat den Hund ihrer besten Freundin Sophie, die über Ungarn in den Westen abgehauen ist. Fritzi will Sophie den Hund bringen. Sie versucht es mit einer Republikflucht, bei der sie an der Grenze geschnappt wird. Für Fritzi ist es das Dringendste zur Grenze zu kommen und ihrer Freundin ihren Hund zurückzubringen."

"Fast alle rätselten was das heißt. Die einen sagten, dass kann nicht wahr sein. Die anderen meinten: 'Die Mauer ist offen, wir fahren jetzt los!' So ist es auch im Film."

Ralf Kukula, Regisseur von "Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte"

Sie sind selbst aus dem Osten, wie haben sie den Mauerfall erlebt?

Ralf Kukula: "Ich habe selbst auch am 9. November vorm Fernseher gesessen. Meine Frau wollte sofort losfahren, ich habe gesagt: 'Nein, wir bekommen ja Westbesuch!'. Wir hatten ein Visum für vier Kollegen aus Frankfurt am Main und Offenbach. Wir wollten das erste deutsch-deutsche Trickfilmprojekt machen. Wir waren zwei Teams: Sechs Animatoren im Westen, sechs Animatoren im Osten. Wir hatten das Projekt vorbereitet mit Drehbüchern und die Tonseite stand schon. Das war damals das erste Treffen. Treffen gingen damals nur so, dass die Westdeutschen in die DDR einreisten und nicht umgekehrt. Zufälligerweise war das genau der 10. November, als ich auf den Bahnhof ging wie Tausende andere auch, bloß die wollten in den Westen und ich holte den Westbesuch ab. Ich bin dann erst drei oder vier Wochen später in den Westen gefahren, nach West-Berlin, und habe dann das erste Mal den Westen nach dem Mauerfall erlebt."

Sie haben den Film zusammen mit Matthias Bruhn gemacht. Er kommt aus dem Westen. Inwiefern haben diese unterschiedlichen Ost-West-Erfahrungen aus ihrer Kindheit Einfluss auf den Film?

"Wir können mit diesem Film zeigen, dass es möglich ist Mauern niederzureißen und zwar friedlich."

Ralf Kukula, Regisseur von "Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte"

Ralf Kukula: "Ich denke das war für den Film ein absoluter Gewinn. Für mich ist der Film ein Teil meiner eigenen persönlichen Geschichte. Das bringt eine gewisse Befangenheit mit sich. Anders ausgedrückt, habe ich vielleicht den Drang besonders viel zu erzählen - mehr als man vielleicht in 90 Minuten des Films unterbringen kann. Und Matthias hat einen ganz guten Abstand dazu. So konnte er sagen: Das dient der Geschichte, das ist gut für unsere Protagonisten, das ist gut für das Gefühl, das den Film authentisch macht. Ich denke diese Mischung war ganz gut."

(Das Interview wurde im Herbst 2019, vor dem Kinostart von "Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte", von Fransika Spanger geführt.)

Das sagen Kinder zu "Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte" nach oben

Mit Kindern über die DDR, den Mauerfall und die Wiedervereinigung reden nach oben

Reisen zu können, wohin man möchte und sagen zu können, wenn einem etwas nicht gefällt, ist für Kinder und Jugendliche heute selbstverständlich. Dass die Menschen, die in der DDR gelebt haben, das nicht konnten, wirft oft Fragen auf. Was war die DDR? Wieso war dort vieles nicht erlaubt? Und warum gab es eine Mauer bzw. Grenze quer durch Deutschland?

Ralf Kukula | Rechte: KiKA/Sebastian Titus Nimsdorf
Ralf Kukula

Was sollten Kinder über die Wiedervereinigung wissen?

„Das tollste an jener Zeit war, dass es fremde Menschen geschafft haben aufeinander zuzugehen und friedlich ein Problem zu lösen.“ 

Ralf Kukula, Regisseur von "Fritzi - Eine WendeWunderGeschichte"

Eltern, Pädagog*innen und Lehrer*innen sollten mit Kindern und Jugendlichen über alle diese Fragen reden. Gerne darf dabei auch von eigenen Erfahrungen berichtet werden. Ein offenes Gespräch bindet Kinder und Jugendliche mit ein, sie können mitdenken und durch eigenes Überlegen erahnen wie sich das Leben in der DDR und die Wiedervereinigung angefühlt haben muss. Gesprächsanstöße können folgende Aspekte sein:

  • In Berlin gibt es unterschiedliche Ampelmännchen. Wieso ist das so?
  • Was bedeuten Grenzen? Wo gibt es Mauern und Grenzen?
  • Können wir überall hin wo wir wollen? Gibt es Einschränkungen?
  • Kennt ihr Menschen, die flüchten mussten? Was bedeutet Flucht?