Gegen das Vergessen: Geschichte begreifbar machen

"Fannys Reise" und "Chika, die Hündin im Ghetto"

Gegen das Vergessen: Geschichte begreifbar machen

Deutschland vor 80 Jahren: In der Nacht vom 9. auf den 10. November brennen Synagogen, werden Geschäfte zerstört und Wohnungen geplündert. Mit der Reichspogromnacht beginnt offiziell der größte Völkermord Europas. Zeitzeugen des Krieges und des Dritten Reiches haben mit ihren Berichten und Erzählungen großen Einfluss auf die Wahrnehmung der Geschichte. Anlässlich des 80. Jahrestages zeigt KiKA zwei Filme, die auf wahren Begebenheiten basieren.

Fannys Reise nach oben

Der französische Film "Fannys Reise" zeigt die bewegende Fluchtgeschichte von Fanny Ben-Ami und ihren jüngeren Schwestern sowie weiteren jüdischen Kindern im Jahr 1943. In Baden-Baden geboren, musste Fanny als Kind ihre Heimat verlassen, weil ihre Familie jüdisch war. Zunächst wurden Fanny und ihre Geschwister in einem französischen Waisenhaus versteckt. Weil sie 1943 auch dort nicht mehr vor den Nationalsozialisten sicher waren, mussten die Kinder erneut flüchten. Ihr Ziel war die Schweiz. Fanny war 13 Jahre alt und übernahm die Verantwortung für die Gruppe flüchtender Kinder.

Freitag, 9. November 2018, 19.30 Uhr | Rechte: ZDF / Claire Nicol 2015
Fannys Reise Freitag, 9. November 2018, 19.30 Uhr

"Dass wir flüchten, habe ich sehr gut verstanden, aber Angst hatte ich nicht. […] Die Kinder haben auf mich horchen müssen, so wie meine Schwestern. Das habe ich von den Kindern verlangt, und sie haben das gemacht."

Fanny Ben-Ami in einem logo!-Interview

Auf dem lebensgefährlichen Weg quer durch Frankreich musste sie ihren ganzen Mut aufbringen, um sich und die anderen zu schützen. Auf ihrer ungewissen Reise hatten die Kinder trotz Angst, Entbehrungen und Heimweh immer wieder Zeit zum Lachen, für Abenteuer und schöne Begegnungen.

"Als ich den Film gesehen habe, dachte ich: Das ist gut. Die Leute sollen wissen, wie die Kinder fliehen. Die Kinder sind Opfer dieser Kriege. Vielleicht lernt die Menschheit irgendetwas. Dafür ist der Film da."

Fanny Ben-Ami in einem logo!-Interview

Die französische Regisseurin Lola Doillon hat einen Film geschaffen, der auf den Jugenderinnerungen von Fanny Ben-Ami basiert, gleichzeitig aber eine zeitlose Geschichte über Mut, Solidarität, Überlebenswillen und den Einsatz für andere erzählt.

Chika, die Hündin im Ghetto nach oben

Der Kurzfilm "Chika, die Hündin im Ghetto" erzählt die Geschichte einer wahren Begebenheit, basierend auf den Erinnerungen der Holocaust-Überlebenden Batsheva Dagan. Mittels der Emotionalität eines Trickfilms sollen die Verbrechen des Nationalsozialismus kindgerecht widergegeben werden. Batsheva Dagan selbst kommt zu Beginn des Films zu Wort. So bekommen die jungen Zuschauer unmittelbar Bezug zu ihr und die Authentizität der Geschichte wird verstärkt.

"Bald wird es aber keine Zeugen aus dieser Zeit mehr geben. Deshalb muss es Zeugen der Zeugen geben, die unsere Botschaft weitertragen."

Batsheva Dagan (Quelle: sz-online.de vom 11. April 2016)

Außerdem soll die Möglichkeit geboten werden, ein Gespräch zu eröffnen. Immer wieder reist Batsheva Dagan unter anderem nach Deutschland und sucht den Dialog. Dabei warnt sie beharrlich vor den Folgen von Hass, Ausgrenzung und Gewalt. Insbesondere junge Menschen versucht sie, für das Thema Shoa zu sensibilisieren.

Ihr Leben als Buchvorlage

Batsheva Dagan lebt heute in Holon bei Tel Aviv. Geboren wurde sie 1925 im polnischen Lodz. Mit der Besetzung Polens durch die Nationalsozialisten flüchtet sie mit ihren Eltern und zwei Schwestern nach Radom, wo sie zunächst in einem Ghetto leben. Es folgt eine Zeit der Verschleppung, einem Leben unter falscher Identität und Gefangenschaften in verschiedenen Gefängnissen. Von Mai 1943 bis Januar 1945 durchlebt sie die Hölle von Auschwitz.

"Wie alle meine Geschichten hat auch diese ein Happy End. Denn man darf Kindern nie die Hoffnung nehmen."

Batsheva Dagan (Quelle: ln-online.de vom 12. April 2016)

Nach ihrer Befreiung lebt sie zunächst in Belgien, bevor sie nach Palästina übersiedelt. In ihrem Kampf gegen das Vergessen hat die Kinderpsychologin mehrere Bücher geschrieben – darunter die Geschichte einer tiefen Freundschaft zwischen dem jüdischen Jungen Mikash und seiner Hündin Chika.

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Nina am 13.11.2018 um 10:09 Uhr

Liebes kika der Film ist nichts für kleine Kinder! Aber er war cool!!!!!!

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