Homeoffice und Homeschooling

Tipps zum effektiven Arbeiten und Lernen zuhause

Homeoffice und Homeschooling

Noch immer sind deutschlandweit Kindertageseinrichtungen geschlossen, die Schulen können zum Teil nur tageweise besucht werden und viele Eltern arbeiten nach wie vor im Homeoffice. Doch wie soll man arbeiten, wenn gleichzeitig die Kinder zuhause sind?

In Anbetracht der aktuellen Situation ermöglichen viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern im Homeoffice zu arbeiten. Ein tolles Angebot, doch Homeoffice mit Kleinkindern ist ganz und gar nicht einfach.

Die Vorstellung, ganz normal nur eben zuhause zu arbeiten, ist schlichtweg utopisch. Konzentration, Disziplin und Verständnis sind von allen Seiten nötig, damit Homeoffice in einem gewissen Rahmen gelingt. Bitte bedenken Sie, dass auch für Kinder die momentane Situation nicht einfach ist. Die anfängliche Euphorie über die "Corona-Ferien", wird in den kommenden Tagen vermutlich schnell verschwinden. Haben Sie Verständnis dafür und seien Sie nicht so streng mit sich selbst. Keiner erwartet, dass Sie vollumfänglich zuhause arbeiten, Telefonkonferenzen führen und nebenbei mit Ihren Kindern, spielen, basteln und sie auch versorgen! Versuchen Sie die wenige Zeit effektiv zu nutzen und organisieren Sie ihren Alltag neu. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, wie Homeoffice und Homeschooling funktionieren kann.

Homeschooling-Tipps nach oben

Die Coronakrise stellt Eltern vor die Aufgabe, ihre Kinder in der schulfreien Zeit sinnvoll zu beschäftigen, während man selbst im Homeoffice arbeitet. Hat man schulpflichtige Kinder zuhause, kommt noch eine Herausforderungen dazu: Homeschooling, Schule zuhause. Doch wie soll man effektiv arbeiten und nebenbei noch sein Kind oder gar seine Kinder unterrichten? Mit dem Anspruch alles perfekt meistern zu wollen, stellt sich schnell eine Überforderung ein – auf allen Seiten. Familiäre Konflikte sind vorprogrammiert. Homeschooling mag mit älteren, selbständigen Kindern funktionieren, doch jüngere Schulkinder brauchen zur Erledigung der Schulaufgaben zum Teil erhebliche Unterstützung der Eltern. Ohne didaktischen Hintergrund eine schwierige Aufgabe. Wir haben ein paar Tipps für erfolgreiches Homeschooling zusammengestellt, die Ihnen vielleicht nützlich sind.

Versuchen Sie nicht alles auf einmal und zur gleichen Zeit erledigen zu wollen. Oft hilft es, eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, wechseln Sie sich mit einem anderen Erwachsenen im Homeschooling ab und unterstützen Sie sich gegenseitig.

In der Schule regelt der Gong Beginn und Ende von Schulstunden und Pausen. Auch zuhause kann es hilfreich sein, auf ein akustisches Signal zu setzen. Das schafft für Kinder die so wichtige Struktur. Als Gong können Sie zum Beispiel eine Fahrradklingel verwenden.

Geben Sie dem Schultag zu Hause eine klare Struktur. Es ist hilfreich Lernzeiten und Pausenzeit festzulegen und aufzuschreiben. Vielleicht gestalten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen Stundenplan für zuhause. Jüngeren Schulkindern helfen Farben zur Orientierung im Stundenplan.

ToDo-Listen sind auch für Kinder eine super Sache. Hat man eine Aufgabe erledigt, kann diese abgehakt oder durchgestrichen werden. Ein tolles Gefühl, weil man was geschafft hat und die Aufgaben weniger werdent. 

Homeschooling bedeutet nicht, dass Kinder den gesamten Tag Schulaufgaben erledigen müssen. Sorgen Sie dafür, dass genügend Zeit zum Spielen und für kreativen Freiraum bleibt. Wichtig ist, kontinuierlich Aufgaben für die Schule zu machen und an schulischen Themen dran zu bleiben. Es kommt mit Sicherheit nicht darauf an, alle schulische Aufgaben zu schaffen.

Homeschooling klappt selten von Anfang an reibungslos. Für Kinder und Erwachsene ist es schwierig, sich in die Situation einzufinden und die neuen Rollen annehmen zu können. Wenn Eltern zum Lehrer werden, sind Kinder manchmal irritiert und reagieren bockig. Haben Sie Geduld – mit sich und Ihrem Kind. Gerade dann, wenn Sie mehrere Kinder haben und auch noch selbst arbeiten. Seien Sie stolz auf sich und Ihr Kind oder Ihre Kinder und freuen Sie sich gemeinsam über geschafft Aufgaben, auch wenn es vielleicht weniger ist als geplant.

Arbeitsplatz nach oben

Kleiden Sie sich, als würden Sie zur Arbeit gehen. Das motiviert und lässt auch Ihr Kind klar zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden.

Schaffen Sie sich zuhause einen eigenen Arbeitsplatz. Legen Sie dabei Wert auf eine Atmosphäre, in der Sie sich gut konzentrieren können. Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Kind während der Arbeit im Blick haben. Erklären Sie Ihrem Kind, dass dieser Arbeitsbereich nur für Sie ist. Legen Sie Ausmalbilder, kleine Snacks, ein Puzzle oder ein Buch in Reichweite. Diese können dann in Konzentrationsphasen oder während Telefonaten dem Kind gegeben werden, falls es Sie in einem wichtigen Moment unterbricht.

Richten Sie auch Ihrem Kind einen eigenen Arbeitsplatz ein. Ein Tisch mit einem alten Handy, Stiften, Papier und ein selbstgebauter Laptop aus einem Karton, können als Büro dienen. Falls Ihr Kind gerne bastelt, sollten Sie hier auch Bastelmaterialien platzieren. Je nach Alter des Kindes eignen sich Kleber, Schere, Buntstifte, Buntpapiere, alte Klopapierrollen, Aufkleber und Ausmalbücher. Verzichten Sie auf Bastelutensilien die unbeobachtet viel Chaos anrichten können, wie zum Beispiel Glitzer.

Wochenplan nach oben

Machen Sie sich einen gemeinsamen Wochenplan. Damit sind Ihre Arbeits- und Freizeiten klar geregelt. Legen Sie zu Beginn der Woche fest, wann Sie für Spielzeit zur Verfügung stehen und wann Sie konzentriert arbeiten müssen.

Kindergartenkinder

Orientieren Sie sich bei Kindergartenkindern am gewohnten Rhythmus. Essen, freie Spielzeiten und Angebote finden in vielen Kindergärten zu gleichen Zeiten statt.

Nutzen Sie diese Zeiten für ihr eigenes Zeitmanagement im Homeoffice aus. Bauen Sie feste Spiel- und Kreativangebote in den Vormittag mit ein, auf die sich die Kinder freuen können. Diese müssen nicht lang sein. Ein kleines Puzzle, ein Ausmalbild oder ein Parcours durch das Wohnzimmer. Das verschafft Ihnen einen freien Kopf für die nächste Konzentrationsphase und zeigt den Kindern, dass Sie sich Zeit für sie nehmen.

Schulkinder

Geben Sie Schulkindern feste Aufgaben. Legen Sie fest, zu welchen Zeiten Schulaufgaben gemacht werden und wann diese von Ihnen kontrolliert werden.

Lassen Sie die Kinder ihre Schulaufgaben selbstständig erledigen, während Sie ihrer Arbeit nachgehen, kontrollieren Sie erst im Nachhinein die Aufgaben und stehen dann für Fragen zur Verfügung. Stimmen Sie sich hier mit anderen Eltern der Klassenkameraden ab. Vielleicht können Sie Lösungen austauschen, um das Kontrollieren schneller zu machen.

Kommunikation nach oben

Sind sie über das Mobiltelefon auf Anrufe und Absprachen mit Kollegen angewiesen, besorgen Sie sich Kopfhörer oder ein Headset. In manchen Telefonkonferenzen kann man so auch nebenbei das Mittagessen vorbereiten oder einen Kaffee kochen.

Legen Sie mit Ihren Kindern klare Kommunikationsregeln für Ihr Homeoffice fest. Halten Sie sich als Zeichen der Ruhe bei Telefonaten den Finger vor den Mund oder drehen Sie sich weg, wenn Ihr Kind dazwischen spricht. Für kleine Kinder ist es manchmal befremdlich, wenn Eltern lange telefonieren. Sie hören das Gegenüber nicht und kennen auch kein Gesicht dazu. Klären Sie Ihre Kinder auf und geben Sie Ihnen einen kleinen Einblick in ihre Arbeitswelt. Oft hilft es schon, wenn Sie Ihren Kindern ein Bild von den Kolleginnen und Kollegen zeigen. Sagen Sie ihnen auch warum es so wichtig ist, dass Sie diese Aufgabe beenden und sich danach Zeit für das Kind nehmen.

Zeiteinteilung nach oben

Legen Sie kurze Arbeitszeiten für sich fest. Intervalle von 25 Minuten reichen oft aus, um einen Arbeitsschritt konzentriert zu erledigen. Am besten stellen Sie sich einen Wecker.

Machen Sie nach dieser Zeit eine Pause von 5 bis 10 Minuten, in der Sie sich mit Ihrem Kind austauschen können. Wiederholen Sie diese Zeitintervalle, je nach Machbarkeit und legen Sie dann eine längere gemeinsame Pause für Ihr Kind ein.
Nutzen Sie Schlafphasen aus. Arbeiten Sie, wenn das Kind Mittagsschlaf macht, stehen Sie morgens vor dem Kind auf oder arbeiten Sie abends ein weiteres Zeitintervall. Falls Ihr Kind keinen Mittagsschlaf macht, können Sie auch eine Ruhezeit vereinbaren. Machen Sie es dem Kind gemütlich und dimmen Sie ggf. das Licht. Geben Sie Ihrem Kind ein Buch oder machen Sie ein Hörspiel an.

TO DO-Listen

Schreiben Sie sich täglich eine TO DO-Liste. Legen Sie fest, welche Aufgaben Sie alleine erledigen können und für was es Absprachen benötigt. Legen Sie die Arbeiten, die Absprachen erfordern, in eine Zeit, zu der Sie auch Kolleginnen und Kollegen erreichen können und andere Aufgaben in die Randzeiten. Vergessen Sie nicht, erledigte Aufgaben abzuhaken. Das gibt ein gutes Gefühl und motiviert für den nächsten Tag.

Selbstständigkeit nach oben

Trauen Sie Ihrem Kind was zu. Kinder sind selbstständiger als man denkt. Binden Sie Ihr Kind in Aufgaben ein. Tischdecken, Aufräumen, Socken sortieren, beim Kochen helfen. Auch kleine Kinder können schon sehr viele Aufgaben übernehmen. Legen Sie diese Aufgaben auch im Wochenplan fest.

Schaffen Sie einen geeigneten Rahmen, in dem sich Ihr Kind entfalten kann. Die meisten Kinder sind gut in der Lage, sich selbst zu beschäftigen oder haben jetzt die Gelegenheit dazu, es zu lernen. Legen Sie fest, was in der freien Spielzeit gespielt werden kann und welche Utensilien oder Spiele dafür benötigt werden. Kommunizieren Sie ganz klar, dass sich in dieser Zeit selbst beschäftigt werden soll.
Achten Sie aber darauf, Ihr Kind nicht zu überfordern. Nicht jedes Kind kann sich gleich lange und gleich gut allein beschäftigen. Bei kleineren Kindern sollten die Zeitintervalle nicht so groß sein. Kinder unter einem Jahr können sich ca. fünf bis zehn Minuten alleine beschäftigen. Ab zwei bis drei Jahren steigt die Zeit auf ca. 15 bis 20 Minuten. Probieren Sie es aus und finden Sie den für Sie und Ihr Kind geeigneten zeitlichen Rahmen. Ist ihr Kind nicht gerne allein? Bieten Sie ihm ein Hörspiel an. Wenn es dabei Kopfhörer trägt, kann es in ihrer Nähe der Lieblingsgeschichte lauschen.

Rechnen Sie damit, dass besonders jüngere Kinder, in ihrer freien Zeit für viel Unordnung sorgen können. Räumen Sie am Ende des gemeinsamen „Arbeitstages“ zusammen auf. Besprechen Sie, was an dem Tag besonders gut geklappt hat und belohnen Sie sich und Ihr Kind mit einer extra Kuschel- oder Spielzeit. 

Essen nach oben

Bereiten Sie am Morgen ein paar Obstsnacks vor, an denen sich die Kinder im Laufe des Vormittags frei bedienen können.

Gerade jetzt ist es wichtig seine Gesundheit zu schützen und sich gesund zu ernähren. Kochen Sie vor oder binden Sie ihr Kind beim Kochen mit ein. Jüngere Kinder freuen sich, wenn sie gemeinsam das Essen zubereiten. Älteren Kindern kann man eigene Aufgaben geben oder Sie für die Zubereitung des Mittagessens einteilen. Legen Sie dafür im Wochenplan fest, wann es einfache Gerichte zum Mittag gibt.

Fernseher, Handy oder Tablet als Beschäftigung? nach oben

Ja, wenn es Ihnen hilft! Wir bei KiKA haben es uns zur Aufgabe gemacht, Kindern ein TV- und Unterhaltungsprogramm zu bieten, das bildet und zum Aktiv- und Kreativsein anregt. Gerade jetzt haben wir unser Programm angepasst, weil alle Kinder zuhause sind. Wählen Sie gemeinsam passende Angebote aus und legen sie vorher eine Zeit und eine Anzahl an Sendungen fest.
Hilfreich ist es, wenn ihr Arbeitsgerät, nicht das Gerät ist, auf dem die Kinder Apps oder Streaming-Plattformen nutzen. Versuchen Sie eine klare Trennung zu schaffen. Haben Sie kein zweites Mobiltelefon oder Tablet im Haus, können Sie unsere Programme auch über HBBTV streamen.

 

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Lala800 am 04.06.2020 um 16:20 Uhr

Dieser Text ist sehr hilfreich, um seinen Tag zu gestalten und zu strukturieren. Mir hat er geholfen, meine Homeschooling Woche besser zu organisieren.

Ally0704 am 12.05.2020 um 11:55 Uhr

Sorry wenn man sich auf den Schlips getreten fühlt, sobald mal jemand etwas ehrliches postet, das anders ist als das unreflektierende, gesellschaftstaugliche "hey alles supi, danke für alles" (sogar das habe ich ja geschrieben..). Und klar, "Kitaleitung75" hatte Ende März bestimmt gerade eher wenig Stress... Kein Zweifel am tollen Programm von Kika, und auch nicht daran, dass hier auch tolle Tipps enthalten sind (was ich ja auch geschrieben hatte)!

kikaninchen 2.0 am 28.03.2020 um 13:24 Uhr

Auch von mir - wie in dem Kommentar vom 26.3. - erstmal ein herzliches Dankeschön für all die tollen Tipps und Überlegungen zur aktuellen und neuen Situation, die viele viele Eltern mit ihren Kindern nun bewältigen müssen - meines Erachtens eine super Themenauswahl und ein hervorragender Überblick. Finde es richtig schön, dass KIKA sich diese Info-Seite überlegt hat und ernstzunehmende pädagogische Tipps und Hinweise gibt. Auch sonst bietet KIKA seit vielen Jahren ein qualitatives Programm (wenn man bedenkt, welch Schrott von anderen Sendern für Kinder teilweise angeboten wird). Finde es daher traurig, dass es solche Kommentare wie von Ally gibt: jede Anregung wird negativ interpretiert, wirklich schrecklich. Und - sorry: die Läden sind nach wie vor voll, es gibt alles, bis auf minimale Ausnahmen. Also wieder mal - wie so oft: Jammern auf hohem Niveau!

KitaLeitung75 am 26.03.2020 um 08:41 Uhr

Liebe Ally0704, ist es denn wirklich so schwer einfach mal Menschen und Institutionen zu danken, dass sie sich Gedanken machen und einem versuchen Ideen zu vermitteln? Muss man immer was zu meckern haben? Wenn Ihnen die hier genannten Vorschläge nicht zusagen oder nicht in Ihren derzeitigen Alltag passen, dann akzeptieren es und suchen sich andere Ideenquellen. Da ist es doch wirklich unnötig zu jammern und zu sagen, dass alles wenig taglich ist.

Ally0704 am 25.03.2020 um 13:19 Uhr

Alles gut gemeinte Tipps, nur leider einiges wenig tauglich für die aktuelle Situation. Selbständiges Abarbeiten der Schulaufgaben - leider haben wir hier nun auch das Thema, dass manche Dinge für die Kinder neu sind. Da heißt es erstmal erklären (schlimmstenfalls selber erstmal schlau machen), und die ersten eigenen Versuche mit Aufgaben gemeinsam machen. Nicht, dass noch etwas falsches eingeübt wird. "Es kommt mit Sicherheit nicht darauf an, alle schulischen Aufgaben zu erledigen" - äh, doch! Es handelt sich (zumindest bei uns) um einen Wochenplan, der zu 100% abzuarbeiten ist! Die Aufgaben müssen regelmäßig gescannt/ abfotografiert und an die Lehrerin gemailt werden. Thema Ernährung...leider kann/sollte/möchte man ja nicht so oft einkaufen, und viele Dinge gibt es aktuell gar nicht. Schon gar nicht möchte ich die letzten, heiligen Eier meinem Großen für Kochversuche überlassen. Obst, das nicht geschält werden kann, möchte ich gerade gar nicht ungekocht anbieten. Aktuell hangeln wir uns somit eher durch die Notvorräte als dass wir uns gesund ernähren :-( Nichts für ungut; war trotzdem schön zu lesen, und viele Tipps sind auch hilfreich :-)

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