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Stress mit den Eltern

letzte Ausstrahlung am 19.11.2014

Familie

Stress mit den Eltern

„Was machst du?“, „Mit wem triffst du dich?“, „Für einen Freund bist du noch zu jung!“ - du kennst sie alle, diese Elternsprüche? Im Kummerkasten erfährst du, wie du es anstellst, bei deinen Eltern Stück für Stück mehr Freiheiten zu bekommen.

Mutter und Tochter sitzen auf einem Sofa. Beide blicken genervt in eine andere Richtung. | Rechte: colourbox.com

Wenn dir deine Eltern sehr streng vorkommen, liegt das meist daran, dass sie sehr besorgt um dich sind. Deine Eltern haben Angst, dass dir was zustößt. Denn du bist dabei, dich von einem Kind zu einem jungen Erwachsenen zu entwickeln. Und dazu gehört es natürlich auch, Fehler zu machen. Die folgenden Tipps helfen dir, ein entspanntes Verhältnis zu deinen Eltern aufzubauen.

Kannst du mit deinen Eltern abends oder an ihren freien Tagen in Ruhe reden? Frage doch einmal, was passieren müsste, damit du zum Beispiel mehr Taschengeld bekommst. Lasse es dir ganz konkret beantworten. Dann weißt du, wo der Weg liegt.

Wenn du dich nicht traust, mit deinen Eltern zu sprechen oder wenn sie kein Gespräch mit dir wollen, dann schreib ihnen einen ausführlichen Brief, in dem du dein Problem erklärst. Vielleicht bekommen sie gar nicht mit, wie streng sie zu dir sind.

Kein „Wegen euch“, kein „Ihr seid viel zu streng“ - das verhärtet die Fronten nur noch mehr. Je mehr du es ihnen vorwirfst, desto mehr werden sie auf ihrem Standpunkt beharren. Erzähle eher, wie es dir geht, was dir fehlt und welche Auswirkungen das auf dein Leben hat und besonders darauf, was für deine Eltern so ungeheuer wichtig ist: die Noten. Kaum jemand arbeitet täglich mehr als acht Stunden (sechs Stunden Schule + zwei Stunden Hausaufgaben und lernen), weil man sich auch nicht länger konzentrieren kann. Man braucht Pausen, Ausgleich und muss auch mal loslassen, um wieder mehr Kraft zu haben.

Tipps gegen Elternstress nach oben

Ihr streitet euch immer wieder wegen der gleichen Sache? Dann schau mal, was passiert, wenn du dich plötzlich anders verhältst als sonst. Lauf nicht weg, schrei nicht rum und zieh dich auch nicht beleidigt zurück. Bleib ganz ruhig und erklär ihnen, so gelassen, wie möglich deine Position. Das überrascht sie. Vielleicht nicht gleich beim ersten Mal, aber bestimmt auf längere Sicht. Sie spüren, dass du erwachsener wirst und dich zu ei­nem ernst zu nehmenden Verhandlungspartner entwickelst. Die Folge: Sie ma­chen mehr Zugeständnisse.

Bei manchen Eltern nützt das schönste Reden nichts. So lange kein Er­wach­sener mit im Raum ist, flippen sie einfach aus. Dann such dir einen Ver­bün­deten. Am besten eine erwachsene Person, der auch deine Eltern vertrau­en. Das kann ein Onkel oder die Tante sein oder gute Bekannte deiner Eltern, deren Meinung sie respektieren. Ideal ist jemand, der beide Seiten versteht und gut vermitteln kann. Setzt euch zusammen und versucht einen Kompromiss zu finden. Das klappt fast immer.

Eltern müssen lernen, dass sie dir vertrauen können. Gib ihnen die Chance dazu. Du willst zum Beispiel in den Ferien mit Freunden zwei Wochen weg­fahren, aber deine Eltern sind dagegen. Dann handle zunächst ein kurzes Wochenende aus. Merken deine Eltern, dass das gut klappt und sie sich auf dich verlassen können, ist es wahrscheinlich, dass sie dir auch den Urlaub in den Ferien genehmigen.

Nichts hassen Eltern mehr als Unzuverlässigkeit. Wenn du ewig zu spät kommst und dich selten an Absprachen hältst, musst du dich nicht wundern, wenn deine Eltern dir gegenüber misstrauisch sind. Viel besser: Zeig ihnen, dass sie sich auf dich verlassen können. Am besten hältst du dich an alle Absprachen und Vereinbarungen und ent­schuldigst dich dafür, wenn du mal was verpennt hast. Spüren sie, dass du zuverlässig bist, erlauben sie dir auch mehr.

Willst du von deinen Eltern etwas haben? Dann überleg, was du ihnen im Gegenzug anbieten kannst. Wer nicht nur fordert, sondern seinen Eltern dafür auch den einen oder anderen Gefallen tut, verhandelt viel erfolgreicher. So merken deine Eltern, dass dir etwas total wichtig ist und du ihre Erlaubnis nicht einfach als selbstverständlich hinnimmst. Das stimmt sie großzügiger.

Eltern finden viele Gründe, um sich Sorgen machen zu müssen. Du kannst ihnen die Angst nehmen. Wenn du mit Freunden übers Wochenende zelten willst, brauchst du die Erlaubnis. Überleg dir vorher, welche Ängs­te deine Eltern dazu bewegen könnten, dir den Ausflug zu verbieten. Vielleicht sind sie misstrauisch, weil sie deine Freunde zu wenig kennen. Oder sie haben Angst, dass ihr euch betrinkt, du im Badesee er­trinkst, ihr auf der Fahrt dorthin einen Unfall habt, Drogen nehmt… usw. Je offener und ausführlicher du erzählst, was du vorhast, umso weniger Platz bleibt für wilde Angstphantasien. Das schafft Vertrauen und beruhigt sie. So kommst du viel leichter zu dem, was dir wichtig ist.

Warum Eltern es auch schwer haben nach oben

Du kannst nicht verstehen, warum deine Eltern so streng sind? Klar, ist auch schwierig. Doch deine Eltern sind diejenigen, die für dich verantwortlich sind. Wenn sie alles durchgehen lassen, hättest du zwar ein prima Leben, doch später würdest du merken, dass Spaß nicht alles ist. Angenommen, du könntest alles machen, was du möchtest, dann würdest du in deinem späteren Leben immer wieder sauer sein, wenn etwas nicht nach deinen Wünschen läuft. Sei nicht so streng mit ihnen. Sie meinen es wirklich gut mit dir.

Das dürfen Eltern nicht nach oben

Hausarrest zählt zu den unzulässigen und entwürdigenden Maßnahmen, wenn Kinder und Jugendliche dabei eingeschlossen werden oder über mehrere Tage ihr Zimmer oder die Wohnung nicht verlassen dürfen. Einzige Ausnahme: Wenn Eltern damit ihr Kind vor einer ernsthaften Gefahr schützen wollen.

Doch wer entscheidet darüber, ob ein Junge oder ein Mädchen in ernsthafter Gefahr ist? Erst einmal die Eltern. Es ist also gar nicht so leicht für Jugendliche, ihr Recht gegen die Eltern durchzusetzen, wenn sie auf dem Hausarrest bestehen.

- Einsperren im Zimmer über mehrere Stunden, Tage oder sogar Wochen
- Einsperren unter verschärften Bedingungen, z.B. ohne Essen und Trinken
- generelles Ausgehverbot
- auch zusätzliche Strafen wie ein generelles Besuchsverbot für Freunde und Fernseh-, Computer- oder Telefonverbot über einen längeren Zeitraum gelten als entwürdigende Erziehungsmaßnahme

Das dürfen Eltern nach oben

Was ist unzulässig und was ist gerechtfertigt? Da gibt es keine klaren Grenzen. Hausarrest als Strafe sollte immer dem Vergehen angemessen sein, das du dir zu Schulden kommen lassen hast. Hast du was ausgefressen und siehst deinen Fehler ein, kannst du oft selbst einschätzen, ob du mit der Strafe, die deine Eltern verhängt haben, einigermaßen gut wegkommst oder ob sie völlig überzogen ist.

- Ausgehverbot für einen oder mehrere Abende, z.B. wenn du für Prüfungen lernen und ausgeschlafen sein sollst
- Ausgehverbot für bestimmte Events, z.B. wenn deine Eltern meinen, dass du nicht auf eine bestimmte Party gehen sollst, weil dir die Leute dort nicht gut tun oder weil sie wissen, dass dort viel Alkohol und Drogen konsumiert werden
- Hausarrest im Sinne eines Ausgehverbots für einen Tag oder ein Wochenende

Wenn alles nichts hilft nach oben

Wenn die Situation zu Hause für dich unerträglich ist, holst du dir am besten professionelle Hilfe von einer Beratungsstelle oder dem Jugendamt. Bei dringenden Problemen kannst du die Berater der Nummer gegen Kummer montags bis samstags kostenlos und anonym unter den Telefonnummern 0800 - 111 0 333 (bundesweit) und 116 111 (europaweit) anrufen.

Die Berater der TelefonSeelsorge erreichst du täglich kostenlos unter den Telefonnummern 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222 (bundesweit).

Wenn Eltern schlagen nach oben

Eine schallende Ohrfeige oder ein grober Fußtritt gelten schon als Körperverletzung und sind eine Straftat. Das gilt auch gegenüber den eigenen Kindern. Wenn du immer wieder von deinen Eltern geschlagen wirst, verletzt dich das nicht nur körperlich. Prügel hinterlassen auch Narben auf deiner Seele. Deshalb ist es wichtig, dass du dich wehrst und nicht alles schluckst, wenn es bei euch zu Hause Schläge hagelt. Im Ernstfall gilt: Bleib auf keinen Fall alleine und hol dir Hilfe!

Hast du das gewusst?
Etwa 150.000 Kinder unter 15 Jahren werden jedes Jahr von ihren Eltern misshandelt. Fast 90 Prozent der Eltern finden es in Ordnung, wenn sie gelegentlich eine Ohrfeige austeilen. Etwa ein Drittel der Eltern halten gelegentlich eine Tracht Prügel für eine normale Erziehungsmaßnahme!

So holst du dir Hilfe nach oben

Wenn du immer wieder geschlagen wirst, sprich mit einer Person, der du vertraust, z.B. mit einem Onkel oder einer Tante, den Eltern eines guten Freundes, deinem Lieblingslehrer oder dem Leiter des Jugendtreffs, wo du deine Zeit verbringst. Sie können versuchen, mit deinen Eltern zu reden.

Bringt das nichts, kann dich die Person deines Vertrauens zum Jugendamt begleiten. Die Mitarbeiter werden mit dir ausführlich über deine Situation sprechen. Nach einigen Gesprächen werden auch deine Eltern in die Beratung einbezogen. Lässt sich im Gespräch keine Lösung finden und deine Eltern prügeln dich weiterhin, kann dich das Jugendamt vorübergehend in einem Heim oder einer Jugendwohngruppe unterbringen - auch gegen den Willen deiner Eltern.

Niemand kann dich zwingen, weiterhin bei deinen Eltern zu wohnen, so lange sie dich immer wieder schlagen. Willst du nicht mehr nach Hause, muss dich das Jugendamt woanders unterbringen. Dafür gibt es sogenannte Auffangheime, die dazu verpflichtet sind, in dringenden Fällen Jugendliche aufzunehmen, bis sich für dich ein geeigneter Platz, z.B. in einer Jugendwohngemeinschaft, findet.

Sind Kinder bzw. Jugendliche und deren Mütter bedroht, ist das Frauenhaus die richtige Adresse. Dort wird Tag und Nacht Unterschlupf vor gewalttätigen Partnern bzw. Vätern und Müttern gewährt. Eine ähnliche Funktion hat das Mädchenhaus. Beide musst du in der Regel erst telefonisch kontaktieren, bevor du die Adresse erfährst. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um den Schutz der Betroffenen zu gewährleisten. Die Nummern erfährst du in jedem Telefonbuch oder bei der nächsten Jugendberatungsstelle.

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