Cybermobbing abwehren

Cybermobbing abwehren

Cybermobbing oder Cyberbullying bezeichnet die bewusste Belästigung im Internet. Dazu zählen Beleidigungen, die Verbreitung von Gerüchten oder der Datenmissbrauch, zum Beispiel durch die Veröffentlichung von Fotos, welche jemanden bloßstellen.

Die 2013 publizierte Studie "Cyberlife - Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr" vom Bündnis gegen Cybermobbing fand heraus, dass circa 20 Prozent der deutschen Schüler betroffen sind. Am verbreitesten scheint Cybermobbing bei 14- und 15-Jährigen zu sein.

Cybermobbing ist durch die intensive Smartphone-Nutzung vieler Jugendlicher rund um die Uhr möglich und nimmt auch zu Hause kein Ende. Vor allem soziale Netzwerke wie Facebook oder Foto- und Videoplattformen wie Instagram oder YouTube bieten für Täter eine gewisse Anonymität und werden für diese Angriffe missbraucht. Oft ist den Opfern der Täter bekannt, da er aus dem eigenen Umfeld kommt.

#5Fragen: Cybermobbing nach oben

Mike Hengelhaupt, Abteilung Prävention, Polizei Thüringen

Was tun, wenn mein Kind betroffen ist? nach oben

Aus Angst oder Scham trauen sich viele Kinder nicht, ihren Eltern etwas über Mobbing zu erzählen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass ihr Kind ungewöhnlich verschlossen ist oder nicht mehr zur Schule gehen möchte, dann suchen Sie das Gespräch mit einer Vertrauensperson des Kindes (z.B. dem besten Freund/ der besten Freundin).

„Man muss immer den Kontakt zum Kind suchen. Man muss fragen: Sag mal, was machst du denn alles online? Wo chattest du? Und es muss ein gutes Vertrauensverhältnis da sein.“

Polizist Mike Hengelhaupt (Polizei Thüringen)

  • Kind in Lösungsversuche einbeziehen
  • Gespräch mit Täter allein oder gemeinsam mit Eltern oder Lehrern suchen
  • bei Anonymität des Täters Webseiten-Betreiber informieren
  • verletzende Inhalte aus dem Netz entfernen
  • Beweismaterial in Form von Screenshots sichern
  • bei schweren Verstößen Anzeige bei Polizei erstatten
  • Kind nicht mit Handy- und Internetverbot bestrafen

Bestätigt sich der Verdacht, dann suchen sie gemeinsam nach Lösungen. Nehmen Sie konkrete Schritte nicht allein vor, sondern beziehen Sie das Kind in ihre Lösungsvorschläge ein. Ansonsten könnte dies die Mobbing-Situation für Ihr Kind noch verschlimmern.

Wenn Ihr Kind einverstanden ist, dann machen Sie den Täter ausfindig. Häufig ahnt Ihr Kind bereits, um wen es sich handeln könnte. Vereinbaren Sie ein Gespräch mit ihm allein oder gemeinsam mit den Eltern oder Lehrern. Reden Sie über mögliche Gründe und Problemlösungen. Wird Mobbing erst einmal konkret angesprochen, hört es oft schon auf. Mitunter ist den Beteiligten gar nicht bewusst, dass sie jemandem mit ihrem Verhalten wehtun.

Informieren Sie bei Anonymität des Täters die Webseiten-Betreiber. Soziale Netzwerke haben oft einen Notfallknopf, mit welchem man andere Nutzer melden kann. Diese sind in der Lage, dessen Profil zu löschen oder bestimmte rechtsverletzende Inhalte zu entfernen.

Lassen Sie verletzende Inhalte sofort aus dem Netz entfernen – entweder durch den Täter selbst oder durch den Seiteninhaber. Je länger die Inhalte im Netz sind, desto weiter können sie sich verbreiten. Sichern Sie zuvor allerdings Beweismaterial in Form von Screenshots und verfügbaren Informationen über den Täter z.B. Nickname.

Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, falls es zu schweren Verstößen wie länger andauernden, massiven Beleidigungen, Drohungen und groben Persönlichkeitsrechtsverletzungen kommt.

Bestrafen Sie Ihr Kind nicht dafür, dass es Opfer einer Mobbingattacke geworden ist, indem Sie ein Handy- und Internetverbot verhängen. Persönliche Fotos können auch durch andere Personen als das Kind selbst in das Internet geraten, beispielsweise durch heimliche Handy-Fotos von Schulkameraden.

Was tun, wenn mein Kind beteiligt ist? nach oben

Reden Sie mit Ihrem Kind über den Verdacht. Machen Sie keine Schuldzuweisungen, dann wird es sich Ihnen nicht öffnen. Versuchen Sie Gründe zu ermitteln, warum es andere beleidigt. Es ist möglich, dass Ihr Kind aus der Angst heraus handelt, selbst ein Opfer zu werden oder es darin eine Möglichkeit gefunden hat, sich in seiner Gruppe anerkannter oder mächtiger zu fühlen.

„Wir müssen mit dem Kind darüber sprechen und das Kind aufklären darüber, dass es jemandem weh tut. Wir brauchen Einsicht.“

Polizist Mike Hengelhaupt (Polizei Thüringen)

  • Selbstwertgefühl des Kindes stärken
  • in Situation des Opfers hineinversetzen
  • konkrete Tipps zum Umgang mit Streitsituationen
  • Kontakt zu anderen Beteiligten und deren Eltern suchen
  • greifbare Konsequenzen nennen, wenn das Verhalten sich nicht ändert

Viele Täter waren oder sind selbst Mobbing-Opfer. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sollten Sie das Selbstwertgefühl ihres Kindes stärken. Seien Sie für Ihr Kind da, auch wenn etwas missglückt. Loben Sie es regelmäßig und sagen Sie ihm so oft es geht, wie sehr sie es mögen und dass sie froh sind, dass es da ist. Gleichzeitig muss es jedoch auch lernen, Grenzen zu beachten und für die Konsequenzen seines Handelns gerade zu stehen.

Verdeutlichen Sie Ihrem Kind die Lage des Opfers. Bitten Sie es, sich in dessen Situation hineinzuversetzen. Es sollte deutlich mitfühlen, wie unangenehm diese Rolle ist.

Helfen Sie ihrem Kind dabei, sein Verhalten zu ändern. Nennen Sie ihm konkrete Alternativen, wie man mit Streitsituationen umgeht. Beziehen Sie es selbst mit ein und fragen Sie, welche Ideen es selbst hat.

Suchen Sie den Kontakt zu anderen Tätern aus der Gruppe und deren Eltern. Besprechen Sie gemeinsam, wie das Mobbing beendet werden kann.

Nennen Sie Ihrem Kind greifbare Konsequenzen, wenn es sein Verhalten nicht ändert. Das könnte zum Beispiel eine längere Surf- oder Chatpause sein. Diese sollte bei Nicht-Einhaltung auch umgesetzt werden.

Wie kann ich vorbeugen? nach oben

Bauen Sie Vertrauen zu Ihrem Kind auf. Geben Sie ihm das Gefühl, positive als auch negative Online-Erfahrungen mit Ihnen teilen zu können. Zeigen Sie ehrliches Interesse. Es sollte nicht denken, dass Sie es nur aushorchen, um bestimmte Kommunikationsmittel zu verbieten. Nehmen Sie ernst, dass das Internet ein wichtiger Teil seines Lebens ist.

Mike Hengelhaupt (Polizei Thüringen) empfiehlt, nötige Kinderschutz-Apps zu installieren sowie ein separates, altersgerechtes Profil am Computer und auf dem Browser für das Kind anzulegen.

  • Chatregeln zur Vermittlung von Respekt im Internet vereinbaren
  • Courage zeigen, wenn andere online gemobbt werden
  • über Meldebuttons in Sozialen Netzwerken informieren
  • Interesse an Online-Erfahrungen zeigen
  • Onlinewelt aus den Augen des Kindes erklären lassen
  • gemeinsam neue Online-Trends diskutieren und ausprobieren
  • mitfühlend und entgegenkommend auf Verhaltensänderungen reagieren

Beispiele für Kinderschutz-Apps:

Vereinbaren Sie gemeinsam Chatregeln zur Vermittlung von Respekt im Internet. Machen Sie Ihrem Kind bewusst, dass hinter jedem Nutzer ein echter Mensch steht. Ein höflicher Umgang untereinander ist deshalb genauso wichtig wie im Alltag. Das Kind sollte außerdem wissen, dass es andere immer erst fragen muss, bevor es Bilder von und mit ihnen online veröffentlicht.

Animieren Sie Ihr Kind dazu, Courage zu zeigen, wenn andere online gemobbt werden. Es könnte dem Opfer beistehen und sich dagegen aussprechen. Um sich nicht selbst zu gefährden, sollte dies allerdings mit Bedacht geschehen.

Bauen Sie Vertrauen zu Ihrem Kind auf. Geben Sie ihm das Gefühl, positive als auch negative Online-Erfahrungen mit Ihnen teilen zu können. Zeigen Sie ehrliches Interesse. Es sollte nicht denken, dass Sie es nur aushorchen, um bestimmte Kommunikationsmittel zu verbieten. Nehmen Sie ernst, dass das Internet ein wichtiger Teil seines Lebens ist.

Entdecken Sie gemeinsam und auf Augenhöhe das Internet: Während Ihr Kind möglicherweise technisch versierter ist, haben Sie hingegen mehr Lebenserfahrung. Lernen Sie von Ihrem Kind und lassen Sie sich die Onlinewelt aus ihren Augen erklären. Diskutieren Sie neue Trends und Themen und surfen Sie gemeinsam auf seinen Lieblingsseiten.

Achten Sie auf mögliche Anzeichen von Cybermobbing bei Ihrem Kind. Reagieren Sie mitfühlend und entgegenkommend auf einen möglichen Wandel in seinem Verhalten.

Regen Sie die Schule Ihres Kindes dazu an, eine Mediengruppe aufzubauen, in der sich Schüler gegenseitig bei Problemen helfen. Diese kann von Schülern geleitet werden, die Lehrer und Eltern aber miteinbeziehen.

mein!KiKA als geschützter Online-Raum nach oben

Die KiKA-Community mein!KiKA bietet Ihrem Kind einen geschützten Raum vor Cybermobbing. In dem moderierten Netzwerk werden alle Beiträge vor der Veröffentlichung gelesen. So kann verhindert werden, dass ungefiltert Beleidigungen, Drohungen oder kriminelle Inhalte veröffentlicht werden.

Zudem dürfen auch keine persönlichen Daten (Adresse, Telefonnummer, etc.) der Kinder, Werbung oder urheberrechtlich geschützte Inhalte im Chat auftauchen. Diese werden nicht veröffentlicht und durch die mein!KiKA-Moderatoren im Vorhinein aussortiert. Alle Kinder müssen sich an die Datenschutzbestimmungen, Nutzungsbedingungen und die Netiquette von mein!KiKA halten.

In der Community erlernt man soziale Fähigkeiten: Was bewirke ich mit meinen Beiträgen bei anderen Mitgliedern? Wie treffe ich den richtigen Ton? Freundschaften werden geschlossen und gelöst, Konflikte müssen bewältigt werden.

Kommentar verfassen

Diese Felder müssen ausgefüllt werden. Alle anderen Angaben sind freiwillig. Wenn wir Ihnen antworten sollen, bitte E-Mail-Adresse angeben.

Seite verschicken

Sie können einen Link auf diese Seite ganz einfach weiterschicken:

Hinweis: Keine der Daten, die du hier eingibst, werden dauerhaft gespeichert.

Erfahre mehr über das Thema Datenschutz!

Die so gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Linkempfehlungen

Altersgerechte Hilfe für Opfer

"save-me-online" ist eine Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche. Gegenseitige Unterstützung geben sich Jugendliche auf "juuport". Bei Fragen und Sorgen bezüglich Mobbing, Liebeskummer oder Stress im Netz hilft die "Nummer gegen Kummer" weiter. Außerdem bietet die "Bundeskonferenz für Erziehungsfragen" Online-Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern an.

Verstöße melden

Beschwerden und Verstöße können online über folgende Stellen gemeldet werden.