Voll behindert!

KUMMERKASTEN

Voll behindert!

In Deutschland leben ca. zehn Millionen Menschen mit Behinderung, 7,6 Millionen sind schwerbehindert (Statistisches Bundesamt/2016). Vor knapp zehn Jahren verabschiedete der Bundestag das Inklusionsgesetz. Warum ist es immernoch so schwer, miteinander umzugehen? Was „behindert“ uns eigentlich?

Im KUMMERKASTEN-Talk, wurde am 5. November 2017 darüber geredet, was wir tun können für einen selbstverständlichen Umgang miteinander. Zu Gast waren Sina, Fabian und der YouTuber Jan von "SoBehindert". An Davids Seite moderierte Kim. Sie arbeitet bei yoin, dem inklusiven Jugendangebot der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien.

Sabine beantwortet Ihre Fragen

Während des Talks konnten interessierte Kinder mit Sabine Marx bei mein!KiKA chatten. Darüber hinaus ist Sabine Marx auch Ansprechpartnerin für Erwachsene und stellt sich gern Ihren Fragen zu den KUMMERKASTEN-Themen.

Witze über Menschen mit Behinderung?

Alola: Ist es verboten Witze über Behinderte zu machen?

Sabine: Es gibt unzählige Witze, in denen bestimmte Menschen, Nationalitäten, Politiker auf die Schippe genommen werden. Zu verbieten, Witze über Menschen mit Behinderung zu machen, wäre eine einseitige humorisitsche Einschränkung. Letztlich müssten dann alle Witze - egal über wen oder was - verboten werden. Lachen und Humor können sehr befreiend und verbindend wirken. Lachen kann jedoch auch verletzen und bei Betroffenen das Gefühl auslösen, ausgelacht, ausgegrenzt oder beleidigt zu werden. Daher kann es durchaus Situationen geben, in denen Witze über Menschen mit Behinderung nicht passend sind.

Umgang mit Problemen in der Öffentlichkeit

Sabrina49: Hallo, Ich habe selbst eine behinderte Tochter. Man sieht ihr den Autismus und die geistige Behinderung nicht an. Es gibt für uns extrem viele Probleme in der Öffentlichkeit. Die Menschen können es nicht lassen, blöde Kommentare abzugeben wie: Erzieh doch mal dein Kind oder musst du DIE immer überall mitnehmen. Man stumpft zwar im Laufe der Jahre ab, aber es schmerzt. Meine Frage: erreichen euch oft solche Schilderungen und was empfehlen ihr diesen Familien?

Sabine: Schilderungen von Familien, die sich in genauso oder einer ähnlichen Situation befinden wie Sie, erreichen uns in der Regel nicht. An das KUMMERKASTEN-Team wenden sich vor allem Kinder und Jugendliche mit dem, was sie beschäftigt.

Sie haben beschrieben, wie andere Menschen in der Öffentlichkeit auf Ihre Tochter und ihre Behinderung reagieren. Ich kann nachempfinden, dass Sie solches Verhalten schmerzt, müde und ratlos werden lässt. Leider kann niemand vorab beeinflussen, wie andere Menschen darauf reagieren und uns begegnen.

Vielleicht ist es eine Möglichkeit, dass Sie sich kurze und prägnante Antworten auf die häufigsten oder typischsten Bemerkungen überlegen. Wenn Sie sich stark fühlen und Sie gut drauf sind, könnten Sie versuchen, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Viele anstrengende und nervende Reaktionen entstehen durch Unbedachtheit und Unwissenheit. Möglicherweise lernen Menschen durch eine Begegnung und ein Gespräch mit Ihnen, in anderen, vergleichbaren Situationen rücksichts- und verständnisvoller zu reagieren. Hilfreich und entlastend kann sein, wenn Sie jemanden in Ihrem Umfeld haben, der Sie kennt und versteht und mit dem Sie über besonders anstrengende Kommentare und Reaktionen anderer sprechen können. 


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Alola am 05.11.2017 um 20:08 Uhr

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